Bauernhofkinder entwickeln seltener Allergien als Stadtkinder. Eine Kindheit auf dem Land beugt Asthma vor. Diese Beobachtungen sind bekannt. Nun fanden Forscher mehr über den genauen Hintergrund des Bauernhof-Effekts heraus.
Zu sauber ist nicht gut
Die Exposition mit vielen verschiedenen Bakterien und Pilzen in einer landwirtschaftlichen Umgebung ist mit einer negativen Assoziation mit Asthma bronchiale und atopischen Erkrankungen verbunden. Das konnten mehrere Beobachtungsstudien weltweit zeigen. Bekannt ist das Phänomen auch als „Hygienehypothese“.
Demnach neigt ein Immunsystem von Kindern, die zu wenig mit Umweltkeimen und banalen Schnupfenviren konfrontiert sind, schneller zu Überreaktionen. Vermutlich trainieren Bakterien aus der Stallluft kontinuierlich die Abwehrkräfte. So verhindern sie überschießende Entzündungsreaktionen, wie sie typischerweise bei Allergien, Heuschnupfen und Asthma auftreten.
Staubproben geben Einsicht
Ein internationales Forscherteam unter deutscher Leitung suchte kausale Erkenntnisse über die bekannten Beobachtungsstudien hinaus: Welche Bakterien sind beteiligt? Welche Substanzen vermitteln den Schutzeffekt? Wo im Körper docken diese an? Dazu analysierten die Wissenschaftler in einer aktuellen Studie Mikroorganismen in der Umgebung von Kindern. Als GrundlIch habe sdfsdfsdffage dienten Staubproben aus den Matratzen und Nasenabstriche von 1000 Schülern aus ländlichen Regionen sowie Staub aus Kuhställen.
Grampositive Bakterien ausschlaggebend
Anhand von Gen- und Stoffwechselanalysen sowie Computermodellen identifizierten die Studienautoren vor allem grampositive Bakterien, die zusammen zwei Drittel des gesamten Bauernhof-Effekts auf Asthma und zur Hälfte auf Heuschnupfen und Neurodermitis vermitteln. Insgesamt wurden neun grampositive Bakteriengattungen nachgewiesen, die eng mit der Schutzwirkung verbunden sind, darunter Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis.
Außerdem fanden die Forscher neun Signalwege, deren Enzyme von den identifizierten Bakteriengattungen kodiert wurden und deren Metaboliten im Kuhstallstaub auftraten. Ursprung der Bakterien ist der Verdauungstrakt von Rindern. Dort produzieren oder verstoffwechseln sie Substanzen wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure. Diese Stoffwechselprodukte aus den Bakterien können dann leicht eingeatmet und von zwei Rezeptoren, dem Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) und dem Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptor (PPARy), auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden.
Diese Rezeptoren haben vielfältige Funktionen unter anderem im Immunsystem, sie verhindern vermutlich eine überschießende Entzündungsreaktion.“ Prof. Dr. Markus Ege, Institut für Asthma- und Allergieprävention bei Helmholtz Munich
Dass diese Bakterien eine Rolle im Bauernhof-Effekt spielen, war bisher nicht bekannt. Zum ersten Mal ist damit laut Studienautoren die gesamte biologische Kette sichtbar:
Kuh → Stallluft → Bakterien → Stoffwechselprodukte → menschliche Rezeptoren → Schutz vor Asthma
Die Forscher erhoffen sich durch die neuen Einblicke Möglichkeiten, den Bauernhof-Effekt anhand von Arzneimitteln nachzuahmen. So könnten Kinder die Schutzwirkung auch ohne Kuhstall nutzen.
Quellen
Ege M, Pagani G. Der Bauernhof-Effekt, so klar wie nie zuvor. Environmental Health, IAP. 29. Juli 2026. https://www.helmholtz-munich.de/newsroom/news/artikel/immune-system-the-farm-effect-clearer-than-ever (Zugriff am 15.09.2026).
Pagani G, Loss G, Pechlivanis S, Depner M, et al. Gram-Positive Bacteria and the Inverse Association between Farm Exposure and Childhood Asthma. NEJM Evid. 2026 Aug;5(8):EVIDoa2500271. doi: 10.1056/EVIDoa2500271. Epub 2026 Jul 28. PMID: 42517701.
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