Typ-2-Diabetes gilt als häufige Komorbidität bei Asthma-Patienten. Den Ergebnissen einer aktuellen Kohortenstudie zufolge könnten mit Metformin zukünftig unter Umständen „zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen werden.
Asthma und Diabetes häufig im Doppelpack
Etwa jeder dritte Asthma-Patient hat mit Übergewicht zu kämpfen und auch die Zahl der Patienten mit zusätzlicher Typ-2-Diabetes-Erkrankung (T2D) ist hoch. Diese Begleiterkrankungen führen häufig zu einer schlechteren Asthmakontrolle, weshalb es zu einem höheren Einsatz von Glucocorticoide kommen kann. In einer taiwanischen und einer US-amerikanischen Studie wurde gezeigt, dass Metformin, das global als Erstlinientherapie bei T2D eingesetzt wird, auch positive Effekte auf die Asthmakontrolle haben könnte. Dieser Zusammenhang wurde in einer aktuellen zweigeteilten Kohortenstudie erneut untersucht – mit einigen konsistenten Ergebnissen.
30% weniger Asthma-Attacken unter Metformin
Für die Studie wurden Daten der UK Clinical Practice Research Datalink (CPRD) herangezogen. Eingeschlossen wurden Erwachsene (> 17 Jahre) mit Asthma-Diagnose (zwei oder mehr Asthma-Codes innerhalb der letzten zwei Jahren). Aus dieser Kohorte wurden Patienten mit T2D und erstmaliger Metformin-Anwendung ausfindig gemacht. Die Studie wurde in zwei Kohorten durchgeführt: einer SCCS(self-controlled case series)-Kohorte mit 4278 Patienten und einer IPTW(inverse probability of treatment weighting)-Kohorte mit 8424 Patienten. Als primärer Endpunkt galt die erste Asthma-Exazerbation, definiert als kurzzeitige Behandlung mit oralen Glucocorticoiden, asthmabedingte Krankenhausaufenthalte oder Tod, innerhalb eines zwölfmonatigen Follow-ups.
In beiden Untersuchungsgruppen kam es unter Metformin zu weniger Asthma-Attacken (SCCS: Inzidenz-Rate-Ratio [IRR] 0,68; IPTW: Hazard-Ratio [HR] 0,76). Dabei hatten Hämoglobin-A1c(HBA1c)-Werte, Body-Mass-Index (BMI), Anzahl der eosinophilen Zellen im Blut und Schweregrad des Asthmas keinen Einfluss auf den identifizierten Zusammenhang. Noch größer war der Effekt bei gleichzeitiger Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten (SCCS: IRR 0,60).
Wirkungsmechanismus ungeklärt
In dieser zweigeteilten Studie wurden Asthma-Anfälle von T2D-Patienten unter Metformin um rund 30% gesenkt. Da der beobachtete Zusammenhang unabhängig von HBA1c-Werten und BMI war, gehen die Autoren von einem Wirkungsmechanismus aus, der nicht von der glykämischen Kontrolle oder einem Gewichtsverlust herrührt. Auch der Asthma-Phänotyp scheint keine Rolle für die Wirkung zu spielen, so die Autoren. In einer präklinischen Studie führte Metformin zu einer signifikanten Linderung von Entzündungsreaktionen der Atemwege, darunter eine Herabsenkung der Zytokin-Level, und hatte zudem Einfluss auf das „airway remodeling“. Ob diese Mechanismen auch beim Menschen stattfinden, ist bisher jedoch unklar.
Für ein mögliches Drug Repurposing von Metformin bei Asthma muss die Wirksamkeit zukünftig in randomisierten klinischen Studien nachgewiesen werden. Weiterhin muss der Wirkungsmechanismus genauer untersucht werden, schlussfolgern die Studienautoren.
Quelle
Lee B, Man KKC, Wong E, Tan T, Sheikh A, Bloom CI. Antidiabetic medication and asthma attacks. JAMA Intern Med 2024:e245982. doi: 10.1001/jamainternmed.2024.5982. Epub ahead of print.
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