Erste Leitlinie zur Kardio-Gesundheit bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

Eine S3-Leitlinie thematisiert nun Herz-Kreislauf-Komorbiditäten, die im Rahmen entzündlich-rheumatischer Erkrankungen auftreten. Was steht drin?

Ziel: Evidenzbasiertes Management

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Sie erleiden öfter Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, Gefäßerkrankungen und thromboembolische Ereignisse. Eine hohe Krankheitsaktivität kann dieses Risiko zusätzlich erhöhen. Auch deshalb sollte die Krankheitsaktivität optimal kontrolliert werden.

Um diesem Zusammenhang einen entsprechenden Stellenwert zu verschaffen und eine evidenzbasierte Behandlung zu unterstützen, wurde die S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“ (pdf) unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh) formuliert.

Risikoadaptierte Pharmakotherapie

Zentrale Empfehlungen der Leitlinie betreffen einen zurückhaltenden Einsatz von bestimmten Medikamenten, um kardiovaskuläre Risiken zu minimieren. So sollen beispielsweise Glucocorticoide und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) in der niedrigsten wirksamen Dosis und möglichst kurz zum Einsatz kommen. Ebenso gilt für JAK-Inhibitoren bei rheumatoider Arthritis ein sorgfältiges Abwägen von Nutzen und Risiko, vor allem nach kardiovaskulären Ereignissen.

Bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes soll Hydroxychloroquin auch zur Reduktion des Kardio-Risikos eingesetzt werden. Für Gichtpatienten sind aus diesem Grund Xanthinoxidasehemmer zu erwägen. Für die Therapie der rheumatoiden Arthritis werden Methotrexat, TNF-Inhibitoren sowie Abatacept oder IL-6-Inhibitoren bei bestehender Indikation auch unter Berücksichtigung des Herz-Kreislauf-Risikos empfohlen. Besteht Übergewicht, soll eine Gewichtsreduktion das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

Kardiales Risiko beobachten

Kardiovaskuläre Risikofaktoren (Blutdruck, Lipidprofil) sollen regelmäßig überwacht werden. Das kann insbesondere bei nachgewiesener kardialer oder vaskulärer Beteiligung anhand von strukturierten Verlaufskontrollen geschehen. Bei Verdacht auf eine kardiale/vaskuläre Beteiligung soll eine Basisdiagnostik mittels gründlicher Anamnese, körperlicher Untersuchung, EKG, transthorakaler Echokardiographie sowie Laboruntersuchungen mit NT-proBNP und Troponin erfolgen.

Antihypertensive, lipidsenkende und antithrombotische Therapien sollen nach den aktuellen Leitlinien durchgeführt werden. Dabei ist das erhöhte kardiovaskuläre Risiko der Patientengruppe zu berücksichtigen.

Tool zur systematischen Behandlung

Die Leitlinie liefert unter Berücksichtigung des aktuellen Wissensstands zu kardiovaskulären Komorbiditäten bei erwachsenen Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen für den deutschen Versorgungsbereich. Ein Schwerpunkt liegt auf der Primär- und Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der Berücksichtigung kardiovaskulärer Aspekte bei therapeutischen Entscheidungen zur Behandlung der rheumatischen Grunderkrankung. Generell wird verdeutlicht, wie wichtig die Kontrolle der rheumatischen Entzündung ist.

Die neue soll bestehende Leitlinien ergänzen, indem sie übergreifende Standards für das Management kardiovaskulärer Komorbiditäten definiert und diese in Beziehung zu Erkrankung, Krankheitsaktivität, Krankheitsverlauf und antirheumatischer Therapie setzt.

Quelle

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. (DGRh). S3-Leitlinie Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. AWMF-Registernummer: 060-010. Published March 12, 2026. Accessed September 1, 2026. https://register.awmf.org/assets/guidelines/060-010l_S3_Management_kardiovask_Komorbiditaeten_20026-06.pdf (Zugriff am 01.09.2026).

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