Die wachsende Zahl an Antiadiposita lässt die Frage offen, welche Arzneimittel in Hinblick auf Nutzen und Risiko am sinnvollsten sind. Diese Fragestellung war Gegenstand einer aktuellen Metaanalyse.
Wachsendes Therapiespektrum
In den letzten Jahren haben die Therapieoptionen von Übergewicht und Adipositas eine rasante Entwicklung hingelegt. Doch welche Arzneimittel versprechen die höchste Gewichtsreduktion und wie verhält es sich mit Nebenwirkungen und der Lebensqualität unter den Wirkstoffen? Die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse ermöglichen einen Überblick.
Verbesserung hauptsächlich auf der Waage
In die Netzwerkmetaanalyse wurden 262 Studien mit einem Follow-up zwischen 12 und 172 Wochen mit insgesamt 99.791 Patienten eingeschlossen und dabei 19 Arzneimittel bewertet. Im Vergleich zu einer Anpassung des Lebensstils nach einem Jahr zeigten sich für einige Wirkstoffe erhebliche Gewichtsabnahmen mit einer mittleren Differenz von –14,9 % (Tirzepatid), –14,8 % (CagriSema), –10,9 % (orales Semaglutid), –9,9 % (Orforglipron), –9,8 % (subkutanes Semaglutid), –8,1 % (Topiramat/Phentermin, in Deutschland nicht zugelassen). Tirzepatid reduzierte die Fettmasse am stärksten (25,7 %), jedoch auch die fettfreie Körpermasse (8,3 %).
Das Risiko für einen Therapieabbruch aufgrund unerwünschter Ereignisse war am höchsten unter Orforglipron, Naltrexon-Bupropion, Liraglutid, Topiramat/Phentermin, CagriSema und oralem Semaglutid (Risk-Ratio 1,9 bis 4,2). Gastrointestinale Nebenwirkungen kamen am häufigsten unter Naltrexon-Bupropion, oralem Semaglutid, Orforglipron und Tirzepatid vor. Das Fatigue-Risiko stieg insbesondere unter Naltrexon-Bupropion, Orforglipron und CagriSema.
Subkutanes Semaglutid war die einzige Substanz, die mit einer reduzierten Gesamtmortalität und reduzierten Myokardinfarkten assoziiert war, wobei diese Schätzungen weitgehend auf kardiovaskuläre Outcome-Studien bei Hochrisikopopulationen basieren. Subkutanes Semaglutid und Tirzepatid reduzierten darüber hinaus das Risiko für Herzinsuffizienz.
Lebensqualität kaum verbessert
Die meisten Arzneimittel trugen nicht wesentlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei und nur bei wenigen zeigten sich positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Darüber hinaus bleiben Verbesserungen nach der Behandlung häufig nicht bestehen, betonen die Studienautoren. Die Therapieentscheidung im Rahmen des Shared Decision Makings verlangt daher eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko.
Quelle
Nong K, Shi Q, Xie X, et al. Comparative effects of drugs for adults with overweight or obesity: systematic review and network meta-analysis. BMJ. 2026;394:e372161. Published 2026 Jul 8. doi:10.1136/bmj-2026-372161.
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