Bei welchen Wirkstoffklassen zur Blutdrucksenkung tauchen seltener Nebenwirkungen auf? Eine Netzwerk-Metaanalyse verglich diverse Regime und kürte einen Gewinner.
Nebenwirkungen bremsen Therapie aus
Unterschiedliche Medikamentenklassen und deren Kombinationen bringen verschiedene Nebenwirkungen mit sich. Bei Antihypertensiva sind das oft Schwindel und Kopfschmerzen, teilweise auch sehr kurzfristig nach Therapiebeginn. Nicht selten sind diese ausschlaggebend für mangelnde Therapietreue oder einen Therapieabbruch seitens des Patienten. Hierin liegt ein Grund für die bestehende Unterversorgung von Patienten mit Bluthochdruck.
Diverse randomisierte klinische Studien liegen dazu vor, nun ermöglicht eine Metaanalyse einen direkten Vergleich. Basis für den Überblick bildeten 716 Studien mit insgesamt 159.362 Teilnehmern (Blutdruck-Basismittelwert 158/100 mm Hg). Gegenstand der Studien waren fünf Hauptklassen: Inhibitoren des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer), AT1-Rezeptorantagonisten, Betablocker, Calciumkanalblocker und Thiazid-Diuretika. Das Augenmerk lag auf den Nebenwirkungen sowie Behandlungsabbrüchen innerhalb von 4 bis 26 Wochen nach Therapiestart.
AT1-Rezeptorantagonisten ganz vorn
Als am besten verträglich stellte sich die Behandlung mit der Zweier-Kombination aus einem AT1-Rezeptorantagonisten und einem Calciumkanalblocker heraus. Insgesamt schnitten erstere generell gut ab: In vier der fünf am besten verträglichen Regime waren AT1-Rezeptorantagonisten dabei. Am wenigsten Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen gab es in dieser Reihenfolge:
- AT1-Rezeptorantagonisten + Calciumkanalblocker (Odds-Ratio [OR] 0,61)
- AT1-Rezeptorantagonisten + Betablocker (OR 0,67)
- AT1-Rezeptorantagonisten-Monotherapie (OR 0,73)
- Calciumkanalblocker + Thiazid-Diuretikum (OR 0,80)
- AT1-Rezeptorantagonisten + Thiazid-Diuretikum (OR 0,89)
Besser zwei als eins
Verglichen mit Placebo erfolgten Behandlungsabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen signifikant öfter unter Calciumkanalblockern (OR 1,43) und deren Kombination mit AT1-Rezeptorantagonisten (OR 1,46). Auch das Paar Betablocker plus Thiaziddiuretika zeigte häufige Nebenwirkungen und Therapieabbrüche (OR 1,58).
Ein weiteres interessantes Ergebnis: Einige Kombinationstherapien waren besser verträglich als Monotherapien oder Placebo. Ausnahme bildeten wieder die AT1-Rezeptorantagonisten: Monotherapien mit ihnen waren gut verträglich. Dass eine Kombination den Blutdruck stärker senkt als eine Dosiserhöhung einer Monotherapie, wurde bereits in einer anderen Studie des Forscherteams beschrieben.
Quelle
Wang N, Van Der Hoorn S, Pant R, et al. Adverse Effects and Treatment Discontinuation of Blood Pressure–Lowering Drugs and Combinations: A Network Meta-Analysis. JAMA. 2026;335(24):2135–2145. doi:10.1001/jama.2026.6214.
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