Die Messung des Blutdrucks ist ohne großen Aufwand möglich. Dennoch wird sie in der Praxis meist nicht korrekt durchgeführt. Das kann zu Fehldiagnosen und Überdosierung von Medikamenten führen. In einer Studie wurde die Auswirkung unterschiedlicher Armpositionen auf die Blutdruck-Messwerte untersucht.
Wie ist eine korrekte Blutdruckmessung durchzuführen?
Allgemein sollte die Blutdruckmessung am Oberarm erfolgen. Messungen am Handgelenk sind weniger genau und daher nicht empfohlen.
Die Messung sollte vor dem ersten Kaffee, Tee oder der ersten Zigarette durchgeführt werden, denn Koffein und Nikotin erhöhen – zumindest kurzfristig – den Blutdruck. Zudem sollte vor der Messung die Blase entleert werden und der Patient mindestens fünf Minuten ruhig sitzen. Die Sitzposition ist aufrecht, die Beine sind parallel nebeneinander und die Füße flach auf dem Boden abgestellt. Der Unterarm des Messarms ist entspannt auf einer Oberfläche abzulegen.
Für eine korrekte Messung ist ebenfalls die Wahl der richtigen Manschettengröße und -position essenziell. Die Manschette ist direkt auf der Haut (Arm entkleidet) 2–3 cm oberhalb der Ellenbeuge auf Herzhöhe anzulegen und sollte im Ruhezustand so locker sitzen, dass man noch zwei Finger zwischen Manschette und Oberarm schieben kann.
Während der Messung sollte der Patient ruhig atmen und nicht sprechen. Eine zweite Messung mit 1–2 Minuten Abstand ist empfohlen.
Welche Auswirkungen hat eine falsche Armposition?
In einer Studie der Johns Hopkins University wurde die Auswirkung drei verschiedener Armpositionen auf den gemessenen Blutdruck untersucht. Position 1 war die korrekte Position als Referenz. Die Studienteilnehmer legten zur Messung ihren Arm entspannt auf einer Oberfläche ab. Bei Position 2 legten die Teilnehmer die Hand des Messarms in den Schoß und bei Position 3 ließen sie den Messarm einfach seitlich hängen.
Gemessen wurden die Blutdruckwerte von 133 Teilnehmern in allen Positionen mit einem elektrischen Messgerät. Primärere Endpunkte waren die Differenzen zwischen dem mittleren systolischen und diastolischen Blutdruck zwischen der Referenzposition mit Position 2 und 3.
Nicht leitliniengerechte Messung führt zu höheren Blutdruckwerten
Durchschnittlicher systolischer/diastolischer Blutdruck:
- Position 1: 126/74 mm Hg (Referenz)
- Position 2: 130/78 mm Hg
- Position 3: 133/78 mm Hg
Für die Schoß-Position (Position 2) ergab sich ein durchschnittlich höherer systolischer Blutdruck von 3,9 mm Hg und diastolischer Blutdruck von 4,0 mm Hg. Die seitliche Armposition (Position 3) führte zu einem systolischen Blutdruckanstieg von 6,5 mm Hg und diastolisch von 4,4 mm Hg.
Überdiagnostizierung vermeiden
Die ermittelten Blutdruckunterschiede zwischen richtiger und falscher Messposition liegen durchaus in der Größenordnung, dass sich aus einem normalen Blutdruck ein erhöhter Wert ergeben kann. Die Studienautoren warnen davor, dass durch fehlerhafte Messungen Hypertonie überdiagnostiziert und übertherapiert wird.
Quelle
Liu H, et al. Arm position and blood pressure readings: The ARMS crossover randomized clinical trial. JAMA Intern Med published online October 07, 2024.
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