Antihypertensiva so wählen, dass die gewünschte Wirkungsintensität erreicht wird. Diese Empfehlung geben die Autoren einer Metaanalyse und liefern dazu interessante Daten sowie einen Online-Kalkulator.
Die Intensität der Blutdrucksenkung planen
Bislang fußt die Auswahl von blutdrucksenkenden Wirkstoffklassen selten auf der angestrebten Zielsenkung. Sollte sie aber, formuliert eine Autorengruppe aufgrund einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse. Dabei nahmen sie 484 randomisierte Studien mit insgesamt 104.176 Teilnehmern zu fünf gängigen Wirkstoffgruppen und deren Kombinationen unter die Lupe. Hierbei eingesetzte Antihypertensiva waren Inhibitoren des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer), Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Betablocker, Calciumkanalblocker und Diuretika. Der mittlere Ausgangswert lag bei 154/100 mm Hg.
Die Forscher wollten wissen, wie hoch die Senkung des systolischen Blutdrucks gegenüber Placebo jeweils unter Mono- und Kombitherapie war. Sie teilten dabei die Effekte der systolischen Blutdrucksenkung in drei Intensitäten ein: <10 mm Hg, 10–19 mm Hg und ≥20 mm Hg.
Kombi senkt stärker als doppelte Dosis
Die durchschnittliche systolische Blutdrucksenkung unter einer Standard-Monotherapie betrug 8,7 mm Hg (95%-Konfidenzintervall [KI] 8,2–9,2). Wurde die Dosis verdoppelt, sank der Wert um zusätzliche 1,5 mm Hg (95%-KI 1,2–1,7). Zweierkombinationen mit standardisierten Dosen erreichten –14,9 mm Hg (95%-KI 13,1–16,8) und unter doppelter Dosis beider Wirkstoffe zusätzlich –2,5 mm Hg (95%-KI 1,4–3,7).
Es gab erhebliche Unterschiede in den Dosis-Wirkungs- und Blutdruck-Wirkungs-Beziehungen zwischen und innerhalb der Wirkstoffklassen. Monotherapien stellten sich grundsätzlich als Option mit niedriger Wirksamkeit (<10 mm Hg) heraus, während Zwei- und Dreifachkombinationen eine mittlere bis hohe Wirksamkeit erreichten. Kombinationstherapien waren ferner signifikant effektiver als höhere Dosierungen einer Monotherapie. Entscheidend für die Intensität der Blutdrucksenkung ist demzufolge vorrangig die Anzahl der verwendeten Medikamentenklassen.
Nützliches Vorhersagemodell
Weil der Blutdruck sehr stark von biologischen Variabilitäten beeinflusst ist und zudem Messfehler häufig sind, ist eine Abschätzung zum individuellen Effekt auf eine antihypertensive Therapie schwierig. Die hier vorgestellte Analyse von Studiendaten zu durchschnittlichen Behandlungseffekten und ein daraus entwickelter Online-Wirksamkeitsrechner könnten eine Verbesserung für die Wirkstoffauswahl darstellen, so die Studienautoren.
So könnten je nach gewünschter Wirkungsintensität spezielle Empfehlungen für antihypertensive Wirkstoffklassen und Arzneimittel ausgesprochen werden. Demnach sollte beispielsweise für Patienten mit systolischem Blutdruck ≥20 mm Hg über dem Zielwert eine hochintensive Therapie erfolgen.
Quelle
Wang N, Salam A, Pant R, Kumar A, et al. Blood pressure-lowering efficacy of antihypertensive drugs and their combinations: a systematic review and meta-analysis of randomised, double-blind, placebo-controlled trials. Lancet 2025;406(10506):915–925. ISSN 0140-6736. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(25)00991-2.
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