Nicht immer bringt eine immunmodulierende Therapie die erhoffte Linderung für Patienten mit atopischer Dermatitis. Wie oft treten Schübe weiterhin unter JAKi auf und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
Schübe trotz Therapie: Eine Ausnahme?
Grundsätzlich sind Januskinase-Inhibitoren (JAKi) bei atopischer Dermatitis gut wirksam. Dennoch erleiden manche Patienten trotz der Behandlung einen Krankheitsschub, ein sogenanntes Flare. In einer italienischen Studie mit 332 erwachsenen Teilnehmern sollten Fragen zur Häufigkeit, klinischen Präsentation, Prädiktoren und Behandlung beantwortet werden.
Die Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis erhielten über 52 Wochen Upadacitinib (210 Teilnehmer [TN]), Abrocitinib (75 TN) oder Baricitinib (47 TN). Die Nachbeobachtungszeit betrug zwölf Monate.
Fast jeder Vierte mit einem Schub
79 Teilnehmer (23,8 %) erlitten mindestens einen Schub; insgesamt wurden 94 Ereignisse dokumentiert, 38-mal erfolgte ein Therapieabbruch. Flares traten nach durchschnittlich 39 Therapiewochen auf und dauerten im Mittel 7 Wochen. Sie betrafen am häufigsten den Kopf, die Arme, die Halspartie sowie den Rumpf und bei etwa einem Drittel der Probanden mehr als eine Körperpartie.
Definiert wurde ein Schub als klinisch relevante Verschlechterung, belegt durch erhöhte Werte im Eczema Area and Severity Index (EASI), Dermatology Life Quality Index (DLQI [pdf]) oder in der Pruritus Numerical Rating Scale (P-NRS) sowie die Notwendigkeit einer Therapieanpassung.
Ausgangslage, Begleiterkrankungen, Jahreszeit
Patienten mit einer größeren Krankheitsschwere, also höheren EASI-, DLQI- und P-NRS-Ausgangswerten, erlebten häufiger Schübe unter der Langzeitbehandlung. Dies traf außerdem auf diejenigen mit einer erhöhten Prävalenz für atopische Multimorbidität zu: 65 % der Teilnehmer mit Schüben wiesen zwei oder mehr weitere Atopien wie allergische Rhinitis, Asthma bronchiale oder Konjunktivitis auf.
Generell waren Schübe in kälteren Monaten deutlich häufiger. Von Oktober bis März traten 61 % der Schübe auf. Diese Assoziation war unter einer Baricitinib-Therapie am stärksten.
Die Flares traten in 38 % der Fälle unter Baricitinib auf, in 29 % unter Abrocitinib und in 26 % unter Upadacitinib. Die längste Zeit ohne Schub erlebten Patienten unter Upadacitinib mit einer Initialdosis von 15 mg, was allerdings auch daran liegt, dass vor allem Patienten mit einer stabilen Krankheitssituation diese Dosis verordnet bekamen.
Da auch ein hoher Body-Mass-Index mit Krankheitsschüben assoziiert war, könnte auch das Körpergewicht ein Einflussfaktor darstellen.
Mit topischen Glucocorticoiden reagieren
Sämtliche Schübe erforderten den zeitnahen Einsatz von topischen Glucocorticoiden, bei 24 % wurden systemische Glucocorticoide verwendet. Darüber hinaus waren häufig Therapieanpassungen erforderlich, etwa Dosiserhöhungen oder Behandlungswechsel.
Die Studienautoren betonen anhand ihrer Ergebnisse die Relevanz von personalisierten Überwachungs- und Managementstrategien in der Therapie der atopischen Dermatitis. Das individuelle Risiko einzuschätzen ist wichtig für eine angemessene Reaktion und gegebenenfalls für eine Therapieanpassung.
Quelle
Brescia C, D’Elia C, Palagiano C, et al. A 52-Week Retrospective Italian Study of Flare Characteristics in Adult Atopic Dermatitis Patients Receiving JAK Inhibitors. Int J Dermatol.2026;1–11
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