Allergien gehören für viele Menschen zum Alltag dazu. Doch zu den weitestgehend bekannten Allergien auf bestimmte Pollen, Insektengifte und Nahrungsmittel kommen stetig neue hinzu, die für die medizinisch-pharmazeutische Versorgung relevant sind. Deshalb lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf noch unbekanntere Allergene.
Vorbereitet im Beratungsalltag
Der Allergen-Pool verändert sich im Laufe der Zeit. Sei es aufgrund des Klimawandels, durch den sich pflanzliche und tierische Allergene in weiteren Gebieten ausbreiten, oder wegen veränderter Lebensgewohnheiten. Denn auch neue Medikamente, der Kontakt mit Drogen oder eine andere Ernährungsweise können Berührungspunkte mit neuen Allergenen darstellen.
Für die medizinisch-pharmazeutischen Beratung ist das Wissen um Allergene wichtig, denn Allergien können für Betroffene gefährlich und dadurch auch angsteinflößend sein. Deshalb werden wir uns in diesem Beitrag drei von ihnen ansehen, die für manch einen noch am Rande des Allergie-Pools schwimmen könnten.
Die Asiatische Hornisse
Häufigster Auslöser von Insektengiftallergien sind Wespen- und Bienenstiche, seltener auch Hornissen. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse und kommt ursprünglich aus Südostasien, hat sich aber bereits in Teilen Europas, darunter der Südwesten Deutschlands, ausgebreitet. Sie stellt eine Bedrohung für heimische Bestäuber wie Bienen dar. Gut zu wissen ist: Ihr Gift weist hohe Ähnlichkeiten mit dem der Wespe und der Europäischen Hornisse auf. Die primäre Sensibilisierung erfolgt meist durch die Wespe. Das bedeutet auch, dass Wespengift-Allergiker schon auf den Erstkontakt mit dem Gift der Hornisse allergisch reagieren können.
Cave: Nicht selten kommt es zu fehlerhaften Benennungen des stechenden Insekts. Das Vorlegen von Abbildungen kann den Betroffenen helfen, die Insektenart korrekt zu identifizieren. Die Asiatische Hornisse beispielsweise wird gelegentlich mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) verwechselt, die aber bis dato nicht in Europa vorkommt.
Die Rote Feuerameise
Hierzulande kennt man sie vor allem aus Filmen und Comics, aber die Rote Feuerameise gehört in Südamerika zur natürlichen Fauna. Seit einigen Jahren haben es die kleinen Tierchen auch nach Europa geschafft und wurden auf Sizilien gesichtet. Neben ihrer Rolle als Ernteschädling und Bedrohung heimischer Insektenarten sollte auch ein Bewusstsein für das Bissrisiko geschärft werden. Die Bisse dieser Ameisenart sind unangenehm bis schmerzhaft und gehen meist mit juckenden Pusteln einher. Für Allergiker kann der Kontakt mit dem Ameisengift allerdings auch gefährlich werden, weshalb man besser Abstand zu den Tierchen halten sollte. Wie allgemein für Allergien bekannt, sollten Betroffene auch hier bei plötzlich auftretenden oder sich schnell verschlimmernden Symptomen sowie den ersten Anzeichen einer Anaphylaxie einen Arzt aufsuchen. Noch bleibt aber abzuwarten, ob sich die Rote Feuerameise auch in Deutschland ausbreitet.
Die Lupine
Hülsenfrüchte (Leguminosen) gewinnen unter anderem durch die die wachsende Beliebtheit veganer Ernährung an Bedeutung. Gleichzeitig enthalten sie vielfach hitzestabile Allergene. Nach Erdnuss und Soja ist die Lupine das dritthäufigste Allergen in der Gruppe der Hülsenfrüchte. In Form von Mehl wird sie häufig als Streckmittel zugesetzt. Leichte bis schwere allergische Reaktionen bis hin zur nahrungsinduzierten Anaphylaxie sind bei einer Lupinen-Allergie möglich, weshalb die Hülsenfrucht bei Allergiesymptomen als Auslöser mit bedacht werden sollte.
Quelle
Prof. Dr. med. habil. Regina Treudler, Berlin, Univ.-Prof. Dr. med. Thilo Jakob, Giessen. Allergologie und Urtikaria. 30. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie (FOBI) am 8. Juli 2026 in München.
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