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Frauen haben höheres Risiko für Gallensteine: Leitlinie wird überarbeitet

Geschlechterspezifisch und gendersensibel soll sie nun werden, die S3-Leitlinie zum Gallensteinleiden. Denn das Geschlecht beeinflusst sowohl die Krankheitsentstehung als auch den Verlauf.

Geschlechterspezifische Sichtweise

Bei vielen Krankheitsbildern spielen geschlechterspezifische Unterschiede eine Rolle hinsichtlich der Risikofaktoren, der Häufigkeit und des Verlaufs. Ob Frau oder Mann ist außerdem bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen, denn auch das Ansprechen auf die Behandlungsoptionen variiert. Dabei ist nicht nur das biologische Geschlecht relevant, sondern auch das soziokulturelle. Hier zählen die Herkunft, der Bildungsgrad, der ökonomische Status und psychosoziale Einflussfaktoren, etwa das Risiko- und Vorsorgeverhalten und der Zugang zu Gesundheitsleistungen.

Prof. Dr. med. Verena Keitel-Anselmino, Magdeburg, berichtete in der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten von der aktuellen Überarbeitung der S3-Leitlinie zu Gallensteinleiden. Diese soll geschlechterspezifisch und gendersensibel gestaltet werden.

Höheres Risiko für Frauen

Frauen haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Gallengrieß und -steinen, denn weibliche Geschlechtshormone beeinflussen direkt die Gallebildung, so die Expertin. Erhöhte Spiegel verschiedener Estrogen- und Progesteronmetabolite, etwa durch Hormonsubstitution oder während der Schwangerschaft, reduzieren den Gallensäuretransport aus den Leberzellen in die Galle. Dann fehlt ein wichtiger Bestandteil zur Bildung sogenannter gemischter Mizellen, die wichtig sind, um das Cholesterin in der Galle in Lösung zu halten. Eine Reduktion von Gallensäuren und/oder Phospholipiden in der Galle bewirkt, dass Cholesterin in Form von Kristallen ausfällt und zur Bildung von Gallengrieß und -steinen führt.

Selbst bei Personengruppen mit vererblichen Risikofaktoren zur Entwicklung von Gallensteinen wird die Cholelithiasis bei Frauen häufiger symptomatisch. Bei ihnen sind auch Rezidive nach Gallenblasenentfernung häufiger.

Gendermedizin ist nicht nur „Frauensache“, sondern ein wissenschaftlicher Anspruch.“

Sondersituation Schwangerschaft

Häufig stellt sich gegen Ende einer Schwangerschaft eine reduzierte Entleerung der Gallenblase ein. Damit steigt das Risiko für die Bildung von Grieß und/oder Gallensteinen deutlich. Komplikationen wie Gallenkoliken, Entzündung der Gallenblase, Steinwanderung durch den Gallengang mit möglicher Kolik und Entzündung der Gallenwege beziehungsweise der Bauchspeicheldrüse sind insbesondere in der Schwangerschaft eine große Herausforderung, sagte die Expertin.

Neue Leitlinie für 2027 erwartet

Neue Erkenntnisse sollen nun dazu dienen, geschlechtersensible Strategien für Vorsorge, Diagnostik und Therapie im Sinne einer Präzisionsmedizin umzusetzen. Hinsichtlich des Gallensteinleidens erfolgt momentan eine systematische Recherche. Geklärt werden soll unter anderem der Einfluss auf das Gallensteinrisiko durch eine Hormoneinnahme im Rahmen einer Kontrazeption oder der Perimenopause. Außerdem steht die Frage im Raum, ob Medikamente, die per se das Gallensteinrisiko erhöhen, geschlechterspezifisch ein so relevantes Risiko darstellen, dass über eine Prophylaxe wie nach bariatrischer Chirurgie nachzudenken wäre.

Die Publikation der überarbeiteten Leitlinie soll 2027 erfolgen.

Quelle

Prof. Dr. med. Verena Keitel-Anselmino, Risikofaktor Geschlecht: warum Leitlinien gendersensibel sein sollten. Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. am 1. Juni 2026.

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