Viele jüngere Menschen mit Depression sprechen mit Künstlicher Intelligenz (KI) über ihre Erkrankung. Sie beschreiben die Gespräche einerseits häufig als hilfreich und andererseits als bedrückend, weil das Gegenüber kein echtes fühlendes Wesen ist.
KI als Anlaufstelle bei psychischen Problemen
In einer Online-Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention vom 5. bis 24. März 2026 gaben knapp zwei Drittel der 2500 Befragten im Alter von 16 bis 39 Jahren aus deutschen Privathaushalten an, schon einmal mit einem Chatbot über eigene psychische Probleme gesprochen zu haben. 26% stellten dabei nicht nur einzelne Fragen, sondern führten zusammenhängende Gespräche mit dem Chatbot. Mit Abstand am häufigsten nutzen sie ChatGPT (77%), gefolgt von Gemini (14%).
Verständnisvoller Gesprächspartner
Bei Menschen mit medizinischer Diagnose einer Depression spricht rund ein Drittel mit KI über die Erkrankung. Als wichtigste Gründe für das Gespräch mit der KI nannten die Befragten:
- Wunsch, einfach mit jemanden über die Probleme im Zusammenhang mit der Erkrankung zu sprechen (56%)
- Versuch, die Erkrankung selbst in den Griff zu bekommen (46%)
- Um Zuspruch und Aufmunterung zu bekommen (41%)
- Fragen zu Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten (40%)
- Suche nach Hilfsangeboten (28%)
Die Gespräche wurden vielfach als positiv beschrieben. Gerade auch die permanente Erreichbarkeit nannten die Betroffenen als Vorteil. Die Befragten empfanden die Chatbots als respektvoll, verständnisvoll, vertrauensvoll, wertschätzend und nicht urteilend. In diesen Aspekten schnitten die Chatbots ebenso gut oder sogar besser ab als die Psychotherapie. 29% der Befragten mit vorangegangener Psychotherapie fanden die Gespräche mit der KI besser als psychotherapeutische Gespräche, 36% genauso gut, 18% schlechter und 18% nicht vergleichbar.
Sehr positiv, dass man nicht verurteilt wird und dass die KI sehr empathisch und verständnisvoll ist. Man kann sich erstmal alles von der Seele reden, ohne vorverurteilt zu werden. (Antwort eines Nutzers)
In der Gesamtschau bewerteten 85% die Gespräche als hilfreich, 75% gingen gestärkt aus den Gesprächen hervor. Insgesamt bieten die Chatbots eine große Chance für eine bessere Versorgung depressiv Erkrankter, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
Chatbots als Ersatz für Psychotherapie?
Es gibt jedoch auch Schattenseiten. Es besteht das Risiko der Nutzung zur „Selbsttherapie“. Immerhin 15% gaben an, die KI anstelle eines Arztes oder Psychotherapeuten konsultiert zu haben. Problematisch ist das insofern, als dass die Nutzer neben den oben genannten positiven Effekten auch negative Erfahrungen gemacht haben.
Viele empfanden es als bedrückend oder sogar peinlich, sich mit einer Maschine über ihre Probleme zu unterhalten.
Zu wissen, dass das Gegenüber kein echtes fühlendes Wesen ist, sondern eine KI, die so programmiert wurde, dass sie Verständnis zeigt. Da ist keiner, der mich wirklich versteht. (Antwort eines Nutzers)
Dazu kam das Gefühl, der Chatbot sagt nur, was man hören will und die Antworten wiederholten sich mit der Zeit nur noch. 53% hatten sogar nach der Nutzung verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid.
Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Betroffene sollten sich unbedingt weiterhin an Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten wenden. (Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe)
Informationen und Hilfe bei Depression für Betroffene und Angehörige
- Wissen und Adressen rund um das Thema Depression auf www.deutsche-depressionshilfe.de
- Deutschlandweites Info-Telefon Depression für Betroffene und Angehörige: 0800 33 44 5 33
- E-Mail-Beratung für Betroffene und Angehörige: bravetogether@deutsche-depressionshilfe.de
- Online-Forum: Erfahrungsaustausch für Betroffene und Angehörige unter www.diskussionsforum-depression.de
- Sozialpsychiatrische Dienste bei den Gesundheitsämtern
- Beratung und Selbsthilfegruppen speziell für Angehörige www.bapk.de
- Tipps und Übungen für Angehörige: www.familiencoach-depression.de
Quelle
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Large Language Modelle (Chat-GPT, Gemini et al.) als „Psycho-Coach“ für Menschen mit depressiven Erkrankungen.
Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Jeder dritte jüngere Mensch mit Depression nutzt KI als Psycho-Coach. 28.04.2026
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