Auch abseits von onkologischen Therapien können negative Herz-Kreislauf-Effekte durch Medikamente vorkommen. Eine Studie untersuchte diese Zusammenhänge für verschiedene Wirkstoffgruppen.
Zunehmend Hinweise
Die Evidenz wächst in Hinblick auf erhebliche kardiovaskuläre Schäden durch häufig verwendete nichtonkologische Medikamente. Arrhythmien, Reizleitungsstörungen, QT-Zeit-Verlängerung, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt bis hin zu struktureller Kardiomyopathie – die Liste möglicher unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist beeindruckend. Zugrunde liegende Mechanismen sind die Störung der Ionenprozesse, die entweder direkt oder durch eine beeinträchtigte mitochondriale Funktion oder Hyperkoagulabität zu Schäden an den Zellen führt. Sie sind vielfältig und überlappen sich oft.
In welcher Schwere diese Effekte auftreten, hängt von der Dosis, der Anwendungsdauer und Patientencharakteristika wie vorbestehenden Herzerkrankungen, Lebensalter und Begleitmedikationen ab. Da Zulassungsstudien an gesunden Probanden durchgeführt werden, macht sich eine solche „versteckte Toxizität“ erst bei der Anwendung bei erkrankten Menschen bemerkbar.
Wer sind die Verdächtigen?
Nichtonkologische Medikamente, die mit solchen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden, umfassen Antibiotika, Antidiabetika, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Medikamente für gastrointestinale und urologische Erkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Medikamente selbst. In ihrer umfassenden Literaturrecherche ermittelten die Studienautoren verschiedene kardiale Auswirkungen bei folgenden Wirkstoffen:
- Makrolide und Fluorchinolone (insbesondere Moxifloxacin): QT-Zeit-Verlängerung, erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod
- Antimalariamittel (Chloroquin und Hydroxychloroquin): QT-Zeit-Verlängerung, Reizleitungsstörungen, restriktive Kardiomyopathien
- Antivirale Wirkstoffe: ungünstige Veränderungen der Blutfettwerte und erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Nebenwirkungen (ältere Proteaseinhibitoren), Gewichtszunahme ohne Einfluss auf die Blutfette (neuere Integrase-Inhibitoren), mitochondriale Dysfunktion (Azidothymidin)
- Nichtsteroidale Antirheumatika: erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzinsuffizienz
- TNF-alpha-Hemmer: Verdacht, Herzinsuffizienz zu verschlimmern oder neu auszulösen, insbesondere bei älteren Patienten
- Glucocorticoide: Bluthochdruck, dosisabhängig erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse (MACE), koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz
- Thiazolidindione (insbesondere Rosiglitazon): Verschlechterung bestehender Herzinsuffizienz, erhöhtes Risiko für eine Neuerkrankung
- Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (Saxagliptin): erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz
- Calciumkanalblocker: negativ-inotroper und vasodilatativer Effekt, deutliche Verschlechterung einer Herzinsuffizienz, ggf. Reflextachykardie (Dihydropyridine), Verschlechterung einer Herzinsuffizienz, Bradyarrhythmien (Nicht-Dihydropyridine)
- Betablocker: negativ-inotroper Effekt, zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, die zu Bradykardie, AV-Block, Hypotonie oder Herzinsuffizienz führen können
- Digoxin (Intoxikationen): vielfältige Arrhythmien
- Antiarrhythmika: Verschlechterung oder Auslösen von Herzinsuffizienz (Klasse-I), verlängerte QT-Zeit und erhöhtes Risiko für Arrhythmien (Klasse-III)
Eine ausführliche Tabelle einzelner Substanzen, die kardiovaskuläre Nebenwirkungen verursachen können, sowie Informationen zu den jeweiligen Wirkmechanismen und der Toxizität sind in der Studie ersichtlich.
Verordnung mit Sorgfalt
Die Autoren empfehlen, vor Beginn einer Therapie eine detaillierte Anamnese, ein Basis-EKG zur Bestimmung des QTc-Intervalls, Elektrolytkontrollen und eine Überprüfung der Nierenfunktion durchzuführen. Je nach Wirkstoff können regelmäßige EKG-Kontrollen, Blutdruckmessungen, das Überprüfen auf Wassereinlagerungen oder die Kontrolle der linksventrikulären Ejektionsfraktion kardiovaskuläre Nebenwirkungen minimieren. Um Wechselwirkungen zu vermeiden, ist die Kombination mehrerer QT-Zeit-verlängernder Medikamente möglichst zu vermeiden.
Quelle
Bahit MC, Agudo-Quilez P, Zamorano J, Gibson CM. Cardiovascular adverse effects of common non-oncologic medications: from mechanisms to clinical management. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother. 2026 Feb 27;12(2):118-134. doi: 10.1093/ehjcvp/pvag007. PMID: 41627848; PMCID: PMC12946981.
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