GLP-1-Rezeptoragonisten und Schwangerschaft

Wie für so viele Arzneimittel sind auch die Sicherheitsdaten für GLP-1-Rezeptoragonisten und duale GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten in Schwangerschaft und Stillzeit begrenzt. In einem systematischen Review wurden bestehende Daten unter die Lupe genommen.

„Ozempic-Babys“ gefährdet?

Mit der Gewichtsabnahme unter einer Adipositas-Therapie kommt es zu einer erhöhten Fruchtbarkeit und damit auch zu ungeplanten Schwangerschaften. Medial war in diesem Zusammenhang häufiger von „Ozempic-Babys“ die Rede. Neben persönlichen Auswirkungen der ungeplanten Schwangerschaften ist die Datenlage zur Sicherheit von GLP-1-Rezeptoragonisten in dieser Lebensphase noch dünn, weshalb die Arzneimittel in der Schwangerschaft kontraindiziert sind. So gab es in Tierstudien Hinweise auf Teratogenität der Wirkstoffgruppe. In einem systematischen Review wurde die Sicherheit von GLP-1- und dualen GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten in der Schwangerschaft und Stillzeit untersucht.

Sicherheitssignale nicht konsistent

In die Analyse wurden 36 Studien eingeschlossen. Dabei konnte in den großen Beobachtungsstudien kein konsistenter Zusammenhang zwischen der perikonzeptionellen oder frühschwangerschaftlichen Exposition und einem erhöhten Risiko für schwere Fehlbildungen, fetale Wachstumsrestriktion, Totgeburten oder neonatale Mortalität im Vergleich zu insulinbehandelten oder krankheitsgleichen Kontrollen gezeigt werden. Für Auswirkungen mütterlicherseits gab es keine reproduzierbaren Sicherheitssignale, die Ergebnisse hierzu waren heterogen. Bezüglich Stillzeit konnten die Autoren nur wenige Daten sammeln. In einer pharmakokinetischen Studie konnte Semaglutid – entgegen der Ergebnisse vorheriger Studien am Tiermodell – nicht in der Muttermilch nachgewiesen werden.

Unbeabsichtigte Exposition wohl weniger drastisch

Der Analyse zufolge scheint eine unbeabsichtigte Frühexposition mit GLP-1-/GIP-Rezeptoragonisten nach derzeitigem Stand weniger problematisch für Mutter und Kind zu sein, als zunächst vermutet. Dennoch ist die Datenlage zur weiteren Einnahme während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit nach wie vor lückenhaft. Solange randomisierte Sicherheitsstudien fehlen, sollten die Arzneimittel vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden, schlussfolgern die Autoren. Dabei ist auf einen möglichen Rebound-Effekt zu achten, der ebenfalls Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben kann.

Quelle

Ozbek L, Shah E, Al-Shiab R, et al. Safety of GLP-1 and Dual GLP-1/GIP Receptor Agonists in Preconception, Pregnancy, and Lactation: A Systematic Review of Maternal, Fetal, and Neonatal Outcomes. Diabetes Obes Metab. 2026;28(6):4503-4528. doi:10.1111/dom.70699.

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