Die Anwendung von Semaglutid, Tirzepatid & Co. erhöht die Wahrscheinlichkeit sowohl für unerwünschte als auch erwünschte Schwangerschaften.
GLP-1 nicht nur bei Diabetes mellitus und Adipositas
Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und kombinierte Agonisten mit dem glucoseabhängigen insulinotropen Peptid (GIP; GLP-1/GIP-RA) sind sowohl zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) und später auch für Adipositas zugelassen worden. Das Thema „Abnehmspritze“ ist mittlerweile in aller Munde und auch über weitere positive Effekte, beispielsweise bei Schlafapnoe oder Herzinsuffizienz, wird berichtet.
Nebenwirkung: Schwangerschaft
Über eine weitere Nebenwirkung, die von der Behandlung mit GLP-1-Analoga oder GIP/GLP-1-Doppelagonisten ausgehen kann, berichtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer aktuellen Stellungnahme.
Wirkstoffe, die zur Gewichtsreduktion bei Adipositas eingesetzt werden, können zu einer Erhöhung der Fruchtbarkeit und damit zur ungeplanten Schwangerschaft führen.
Auch könnten unerwünschte Arzneimittelwirkungen der GLP-Analoga und GIP/GLP-1-Doppelagonisten wie Erbrechen, Durchfall und eine verzögerte Magenentleerung die Wirkung oraler Kontrazeptiva reduzieren. In diesem Fall sollten alternative Verhütungsmethoden in Betracht gezogen werden.
Schwangerschaften bei PCOS
Auf der anderen Seite erhöhen diese Wirkstoffe wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei Frauen mit Kinderwunsch und polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS). Die steigende Insulinresistenz stimuliert die Androgenproduktion in den Ovarien, was wiederum zu Störungen der Ovulation führt. So kann eine fünf- bis zehnprozentige Gewichtsreduktion bereits zu einer Normalisierung der Ovulation führen.
Risiken während einer Schwangerschaft
In den Zulassungsstudien für die GLP-Analoga wurden Schwangere ausgeschlossen, da Tierstudien Hinweise auf Teratogenität ergaben, die im Zusammenhang mit einer Gewichtsreduktion der Schwangeren und einer reduzierten Nahrungsaufnehme stehen.
Ein potenzielles teratogenes Potenzial bei Menschen kann aufgrund der derzeitigen Studienlage nicht bewertet werden. Die GLP-1-RA Exenatid, Liraglutid, Dulaglutid und Semaglutid sowie der GIP/GLP-1-RA Tirzepatid sind für die Anwendung in der Schwangerschaft nicht zugelassen.
Keine GLP-1-Analoga als Fruchtbarkeits-Booster
GLP-1 Analoga sind eine vielversprechende Option für Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch. In den sozialen Medien mehren sich die Berichte über sogenannte Ozempic®-Babys und eine Facebook-Gruppe „I got pregnant on Ozempic“ hat bereits mehr als 1500 Mitglieder (Stand: 12.12.2024). Vor einer Anwendung als „Fruchtbarkeits-Booster“ in Eigenregie wird allerdings unbedingt abgeraten. Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten GLP-1-RA oder Tirzepatid abgesetzt werden; entsprechende Wartezeiten bis zu einer Schwangerschaft sollten eingehalten werden.
Quellen
„Ozempic-Babys“? – was sagt die Datenlage. Arzneiverordnung in der Praxis 2024;51:130–40.
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