Zu wenig Fokus auf Vitamin B12 bei Metformin-Therapie

Ärzte kennen den Zusammenhang zwischen langfristiger Metformin-Einnahme und dem Risiko für Vitamin-B12-Mangel. Dieses Wissen hat jedoch zu selten Konsequenzen, so das Fazit einer aktuellen Studie.

Eine große Zielgruppe

Seit rund 75 Jahren wird Metformin bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt, schätzungsweise 150 Millionen Menschen weltweit nutzen den Wirkstoff. Vitamin B12 ist unter anderem wichtig für die Erythrozytenbildung und die Funktionsfähigkeit des Nervensystems; bei einem Mangel können Symptome wie Anämie, Neuropathie, Müdigkeit sowie kognitive Beeinträchtigungen und Stimmungsstörungen auftreten. Langfristig besteht das Risiko für schwerwiegende neurologische und neuropsychiatrische Störungen.

Verschiedene Studien bestätigten eine Vitamin-B12-Malabsorption als Nebenwirkung von Metformin. Die genaue Ursache ist unbekannt, eventuell spielt eine Hemmung der Calcium-abhängigen Bindung des Intrinsic-Faktor-Komplexes an den Cubilin-Rezeptor im Ileum eine Rolle. Dabei scheinen sowohl eine hohe Dosis als auch eine langfristige Anwendung das Risiko deutlich zu erhöhen. Die Prävalenz eines B12-Mangels in den Analysen lag zwischen 6 und 50% der Behandelten. Leitlinien zu einem Screening bei Metformin-Anwendern existieren nicht.

Offizielle Warnung in UK

Im Jahr 2022 empfahl die britische Arzneimittelbehörde Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) in einer drug safety mail, den Vitamin B12-Status von langjährigen Metformin-Nutzern zu überwachen. Zudem erfolgte eine Aktualisierung der Produktinformationen für Metformin-haltige Arzneimittel. In einer Studie wurden nun englische Klinker in der Primärversorgung, die Typ-2-Diabetiker behandeln, befragt, inwieweit diese Vorsichtsmaßnahme bekannt ist und in der Praxis Anwendung findet.

Bekanntes Risiko, vernachlässigte Kontrolle

Die Angaben der 124 beantworteten Fragebögen (Rücklaufquote etwa 48%) zeigten eine Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. 87% der Befragten gaben an, über den Zusammenhang zwischen Metformin und Vitamin-B12-Mangel Bescheid zu wissen, 40% hatten die Warnung der MHRA gelesen. Die typischen klinischen Symptome für einen B12-Mangel kannten 99% der Ärzte.

Allgemeine routinemäßige Überwachungsmaßnahmen zu Nebenwirkungen von Metformin führten die Befragten nach eigenen Angaben halbjährlich (32%) oder jährlich (60%) durch. Ein jährlicher Check des Vitamin-B12-Spiegels gehörte für 39% der Ärzte dazu, für 55% bei Verdacht und typischer Symptomatik.

Keine Zeit, keine konkrete Anordnung

Als Gründe für die vergleichsweise niedrige Quote von routinemäßigen Vitamin-B12-Prüfungen nannten die Teilnehmer fehlende Klarheit in den Richtlinien und organisatorische Hürden bei der Umsetzung wie Zeitmangel. Darüber hinaus gaben einige an, generell keine Zeit zu haben, Forschungsergebnisse zu lesen. Die Auswertung ergab, dass weder der Aufgabenbereich, noch ein Status als verordnender Arzt signifikante Auswirkungen hatte auf das Wissen um das Risiko oder die Häufigkeit von Vitaminchecks.

Die Studienautoren vermuten, dass nicht Unterschiede in der Ausbildung, im Tätigkeitsbereich oder der Berufserfahrung ausschlaggebend sind. Offenbar stehen eher strukturelle und organisatorische Faktoren im Weg als Einflüsse auf individueller Ebene. Die Autoren folgern, dass eine Sensibilisierung allein keine Verbesserung herbeiführt. Klare operative Anweisungen könnten hier effektvoller sein als Warnungen, die individuell zu interpretieren sind. Die Forscher räumen allerdings auch ein, dass insbesondere bei Symptomen eines B12-Mangels Überschneidungen mit typischen Folgen von Diabeteserkrankungen und Alterungsprozessen bestehen.

Quelle

Parsonage, I., Wainwright, D. & Barratt, J. Clinician awareness and implementation of vitamin B12 monitoring guidance in metformin users: a primary care survey. BMC Prim. Care (2026). https://doi.org/10.1186/s12875-026-03185-w (Zugriff am 11.02.2026).

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