Bleibt der Effekt gewichtsreduzierender Therapien?

Das Absetzen gewichtsreduzierender Medikamente führt häufig zu einer erneuten Gewichtszunahme und einer Verschlechterung der kardiometabolischen Parameter. Der Behandlungseffekt lässt bereits gut ein Jahr nach Absetzen massiv nach.

Viele Patienten brechen Therapie ab

Verschiedene GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Liraglutid sowie der duale GLP-1-/GIP-Rezeptoragonist Tirzepatid werden zur Gewichtsreduktion bei Patienten mit Adipositas eingesetzt. In klinischen Studien verlieren Patienten damit etwa 15 bis 20% ihres Ausgangsgewicht. Auch Mittel anderer Wirkstoffgruppen werden noch angewendet (z. B. der Lipasehemmer Orlistat) und weitere befinden sich in klinischer Prüfung (z. B. das Amylinanalogon Cagrilintid).

Real-World-Daten zeigen, dass etwa 50% der betroffenen Patienten die Arzneimittel innerhalb von 12 Monaten wieder absetzen. Das kann zur Folge haben, dass die Patienten wieder an Gewicht zunehmen und dass sich kardiometabolische Parameter ebenfalls verschlechtern. In einem systematischen Review mit Metaanalyse mit 9341 Teilnehmern aus 37 Studien, in der auch andere Wirkstoffe als GLP-1-Rezeptoragonisten berücksichtigt wurden, wurde nun untersucht, in welchem Ausmaß sich das Abbrechen der Therapie auf diese beiden Faktoren auswirkt.

Rückkehr zu Ausgangswerten

In der Untersuchung zeigte sich, dass Menschen nach Absetzen der gewichtreduzierenden Medikation im Durchschnitt etwa 0,4 kg pro Monat wieder zunahmen, was voraussichtlich nach 1,7 Jahren zu einer Rückkehr zum Ausgangsgewicht führt.

Das gleiche gilt für verschiedene kardiometabolische Marker: Obwohl der Gewichtsverlust zu Verbesserungen des HbA1c-Werts, des Nüchternblutzuckers, des Gesamtcholesterins, der Triglyceride sowie des systolischen und diastolischen Blutdrucks geführt hatte, kehrten alle Marker innerhalb von etwa 1,4 Jahren nach Behandlungsende wieder auf den Ausgangswert zurück.

Darüber hinaus verlief die Gewichtszunahme nach Absetzen von Medikamenten schneller als nach Beendigung von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, unabhängig von der Höhe des während der Behandlung verlorenen Gewichts.

Die Autoren resümieren, dass Gewichtsreduktionsprogramme zwar mit einer Gewichtsabnahme und Verbesserungen der kardiometabolischen Gesundheit verbunden sind, die Effekte aber nach Behandlungsende schnell nachlassen. Sie mahnen dementsprechend zur Vorsicht hinsichtlich einer kurzfristigen Anwendung von Gewichtsreduktionsprogrammen. Zudem unterstreichen die Ergebnisse den Bedarf an weiterer Forschung zu kosteneffektiven Strategien für eine langfristige Gewichtskontrolle und bekräftigen die Bedeutung der Primärprävention.

Weitere Studien

In der Studie SURMOUNT-4 wurden 308 Patienten nach 36 Wochen Behandlung mit Tirzepatid für 52 Wochen auf Placebo umgestellt. Alle nahmen in dieser Zeit in unterschiedlichem Ausmaß wieder an Gewicht zu. Auch verschiedene kardiometabolische Parameter verschlechterten sich bei Gewichtszunahme, häufig korrelierend mit der Höhe der Gewichtszunahme.

Eine Metaanalyse zu den GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und Liraglutid zeigte einen signifikanten metabolischen Rebound mit Gewichtszunahme, Anstieg des HbA1c-Werts, des Taillenumfangs, BMI, systolischen Blutdrucks sowie des Nüchternblutzuckers nach Absetzen der Medikamente. Die Autoren der Analyse fordern, dass wegen dem häufigen Einsatz der Wirkstoffe die Behandlungsleitlinien zukünftig nicht nur die Einleitung und Dosisanpassung, sondern auch das Absetzen und langfristige Erhaltungsstrategien zur Aufrechterhaltung des Therapieerfolgs berücksichtigen müssen.

Quelle

West S, et al. Weight regain after cessation of medication for weight management: systematic review and meta-analysis. BMJ 2026;392:e085304. http://dx.doi.org/10.1136/bmj-2025‑085304

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