Eine dänische Studie aus 2022 sorgte für Aufruhr: Die Metformin-Einnahme werdender Väter soll die Fehlbildungsrate erhöhen. Inzwischen konnten die Ergebnisse jedoch durch verschiedene Kohortenstudien relativiert werden.
Wie ist die Studienlage?
Die Einnahme von Metformin bei werdenden Vätern könnte Fehlbildungen bei Neugeborenen auslösen, lauteten die beunruhigenden Erkenntnisse einer dänischen Studie aus dem Jahr 2022 mit Daten von über eine Millionen Säuglingen. So hatten Kinder, deren Väter vor der Empfängnis Metformin einnahmen, in dieser Kohorte ein deutlich erhöhtes Risiko für Malformationen: Odds-Ratio 1,4.
In den letzten zwei Jahren wurden nun einige Studien veröffentlicht, die diesbezüglich Entwarnung geben können, darunter eine israelische Kohortenstudie mit knapp 400.000 Geburten, in der die adjustierte Odds-Ratio für Malformationen bei 1,0 lag. Zu ähnlichen Ergebnissen führte eine Studie mit Daten aus Norwegen und Taiwan: Zwar war auch hier die Rate an Malformationen in der nichtadjustierten Analyse unter Metformin erhöht, hob sich jedoch wieder auf, sobald die Autoren weitere Störfaktoren für kindliche Missbildungen berücksichtigten. Zu diesen „Confoundern“ zählten das metabolische Syndrom, chronische Erkrankungen oder maternale Charakteristika.
Dänische Studie neu aufgerollt
Nun trägt eine weitere entwarnende Studie zur Evidenz bei: In einem JAMA-Research-Letter wurde die Analyse der dänischen Studie in einer unabhängigen Kohorte aus 780.637 Schwangerschaften wiederholt. Davon hatten 3367 Väter in den drei Monaten vor der Schwangerschaft (Zeitraum der Spermatogenese) ein Metformin-Rezept eingelöst. Interessanterweise war das Risiko für Malformationen ähnlich hoch, unabhängig davon, ob die Metformin-Exposition vor, während oder nach der Spermatogenese stattfand: 4,83% (vor); 4,87 % (während); 4,91% (nach). Demnach scheint das Malformationsrisiko nicht im Zusammenhang mit der Spermatogenese zu stehen, schlussfolgern die Autoren.
Paternales Metformin wohl unbedenklich
Die Ergebnisse der dänischen Studie aus 2022 sorgten für Aufruhr, können jedoch durch die israelische, taiwanisch-norwegische und aktuelle US-amerikanische Kohortenstudie relativiert werden, in denen ein besonderer Blick auf Störfaktoren und auf den tatsächlichen Zusammenhang mit der Spermatogenese gelegt wurde. Die paternale Metformin-Exposition scheint demnach nicht mit erhöhten Fehlbildungsraten assoziiert zu sein.
Quellen
Huybrechts KF, Straub L, Rotem RS, Bateman BT, Hernández-Díaz S. Paternal Preconception Metformin Use and Offspring Risk of Congenital Malformations. JAMA Netw Open. 2025;8(6):e2515002. Published 2025 Jun 2. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.15002
Meng LC, van Gelder MMHJ, Chuang HM, Chen LK, Hsiao FY, Nordeng HME. Paternal metformin use and risk of congenital malformations in offspring in Norway and Taiwan: population based, cross national cohort study. BMJ. 2024;387:e080127. Published 2024 Oct 16. doi:10.1136/bmj-2024-080127.
Rotem RS, Weisskopf MG, Huybrechts KF, Hernández-Díaz S. Paternal Use of Metformin During the Sperm Development Period Preceding Conception and Risk for Major Congenital Malformations in Newborns. Ann Intern Med. 2024;177(7):851-861. doi:10.7326/M23-1405.
Wensink MJ, Lu Y, Tian L, et al. Preconception Antidiabetic Drugs in Men and Birth Defects in Offspring : A Nationwide Cohort Study. Ann Intern Med. 2022;175(5):665-673. doi:10.7326/M21-4389.
Bildquelle
WavebreakMediaMicro – stock.adobe.com