Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme durch Impfstoffe für Säuglinge und Kleinkinder und dem Auftreten neurologischer Entwicklungsstörungen, Autoimmun- oder atopischer Erkrankungen.
Aluminium in Impfstoffen
Aluminium wird in einigen Totimpfstoffen als Adjuvans verwendet, um die Immunantwort gegen das Antigen zu verstärken. Hierzu gehören vor allem Impfstoffe für Babys und Kleinkinder, darunter der Sechsfachimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B. Aber auch die Konjugat-Vakzine gegen Pneumokokken sind an Aluminium gebunden.
Obwohl diese Impfstoffe seit mehreren Jahrzehnten angewendet werden und als sicher gelten, kommen immer wieder Bedenken hinsichtlich potenzieller Schäden auf. Vor allem sind dies eventuelle neurotoxische Effekte, das Auslösen von Autoimmun- oder atopischen Erkrankungen. Diese Befürchtungen führen teilweise zu Impfskepsis, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als verzögerte Annahme oder Ablehnung einer Impfung trotz der Verfügbarkeit von Impfangeboten definiert wird.
Aluminiumexposition und Erkrankungsrisiko
Eine dänische Kohortenstudie mit Daten von über 1,2 Millionen Kindern, die zwischen 1997 und 2020 auf die Welt kamen und in ihren ersten zwei Lebensjahren geimpft wurden, sollte nun Aufschluss über den Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme aus Impfstoffen und dem Auftreten 50 verschiedener chronischer Erkrankungen geben; darunter 36 Autoimmunerkrankungen. Für jedes Kind wurde die kumulative Gesamtaufnahme von Aluminium ermittelt. Der mediane Wert lag bis zum zweiten Lebensjahr bei 3 mg und variierte zwischen 0 und 4,5 mg. Weiterhin wurde ausgewertet, ob eine steigende Aluminiumaufnahme durch Impfstoffe mit einer Zunahme neurologischer, allergischer oder autoimmuner Erkrankungen zusammenhing.
Kein erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Aluminium
Die am häufigsten diagnostizierte Erkrankung war Asthma bronchiale. Das Hazard-Ratio pro 1 mg Erhöhung der kumulativen Aluminiumexposition betrug hier 0,96 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,94 bis 0,98). Am zweithäufigsten trat eine atopische Dermatitis auf (HR 1,02, 95%-KI 1,00 bis 1,04), gefolgt von allergischer Rhinitis (HR 0,99, 95%-KI 0,98–1,01). Bei Betrachtung der kombinierten Gruppen ergaben sich folgende Ergebnisse:
- Autoimmunerkrankungen: Hazard-Ratio (HR) 0,98 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,94–1,02)
- Atopische/allergische Erkrankungen: HR 0,99 (95%-KI 0,98–1,01)
- Neurologische Entwicklungsstörungen: HR 0,93 (95%-KI 0,90–0,97)
Bei einigen Erkrankungen mit mehr als 20 Fällen konnte eine Auswertung nach acht Jahren erfolgen. Hier ergab sich ein ähnliches Bild; ebenso bei einer Auswertung nach Geschlecht oder Geburtsjahr.
Impfskepsis nicht begründet
Zusammengefasste Daten ergaben, dass pro 1-mg-Aluminiumdosis das Risiko für das Auftreten einer der 50 untersuchten Erkrankungen bis zum fünften Lebensjahr nicht mit einem mittleren oder großem Risikoanstieg verbunden waren. Bei einigen seltenen Erkrankungen konnte dieser relative Risikoanstieg allerdings nicht ausgeschlossen werden.
Die WHO zählte bereits vor Beginn der COVID-19-Pandemie die Impfskepsis als eine der zehn bedeutendsten Herausforderungen für die globale Gesundheit. Fest steht allerdings, dass Impfkampagnen wesentlich zur Prävention von Infektionskrankheiten beigetragen haben und nach wie vor beitragen.