DIVI fordert Grippeimpfung für alle ab dem 6. Monat

In einer Pressekonferenz der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) wurden Zahlen der letzten Influenzasaison vorgestellt. Das Fazit: Die Impfquoten in Deutschland müssen dringend erhöht werden, um schwere Verläufe einzudämmen.

Kein harmloses Schnüpfchen

Die Grippewelle steht vor der Tür, die Fallzahlen steigen und die Stationen füllen sich langsam, erklärte Prof. Dr. med. Florian Hoffmann. Aus der Südhalbkugel gebe es Hinweise, dass die Grippewelle dieses Jahr besonders stark verlaufen wird. Dass die Influenza eine ernst zu nehmende Erkrankung mit teils drastischen Verläufen ist, zeigte Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis eindrücklich anhand von Abrechnungsdaten der letzten Influenza-Saison. Demnach waren über 135.000 gesetzlich krankenversicherte Patienten von Januar bis Mai 2025 mit Influenza im Krankenhaus, mehr als 20.000 davon auf der Intensivstation. Die Gesamtsterblichkeit der Patienten im Krankenhaus lag bei etwa 6%, bei beatmeten Patienten jedoch bei bis zu einem Drittel.

Es ist unglaublich wichtig, dass wir versuchen, diese schweren Verläufe bei der Grippe zu verhindern (Karagiannidis)

30.000 Kinder wegen Grippe im Krankenhaus

Entgegen der aktuellen STIKO-Empfehlungen, in denen eine Impfempfehlung für Personen ohne Risikofaktoren erst ab einem Alter von 60 Jahren ausgesprochen wird, leiden auch Kinder nicht selten an schweren Verläufen: Im letzten Winter waren 30.000 Kinder wegen Influenza im Krankenhaus.

In Befragungen der DIVI unter Kinderintensivstationen im Januar und Februar dieses Jahres mit 181 gemeldeten Kindern wurden teils sehr schwere Verläufe dokumentiert, erklärte Dr. med. Ellen Heimberg. 62% der Patienten wurden wegen Atemversagen auf die Intensivstation aufgenommen. Nahezu 98% der Patienten waren zu diesem Zeitpunkt ungeimpft.

10% der Kinder auf der Intensivstation sind verstorben.

Neben der eigenen Infektion mit potenziell drastischem Verlauf, die auch bei zuvor völlig gesunden Kindern auftraten, tragen Kinder maßgeblich zur Ansteckung weiterer Personengruppen, darunter Risikogruppen wie Großeltern bei. Zu den Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und das Gesundheitssystem kommen darüber hinaus erhebliche volkswirtschaftliche Schäden durch zahlreiche Ausfälle.

Grippeimpfung für alle

Um auch die Kleinsten zu schützen und Ansteckungen zu vermeiden, fordern die Intensiv- und Notfallmediziner der DIVI daher eine STIKO-Empfehlung für die Influenza-Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat. Außerdem sei ein niedrigschwelliger Zugang zur Impfung essenziell. Die größte Bedeutung habe hierbei der Hausarzt, den statistisch gesehen jeder Deutsche einmal pro Monat besucht. Und auch impfende Apotheken leisten den Referenten zufolge einen wertvollen Beitrag.

Quelle

Pressekonferenz der DIVI „Mehr als nur ein Schnüpfchen: Influenza ist eine ernst zu nehmende Erkrankung für Kinder und Erwachsene“, am 04. Dezember 2025.

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