Zuckerrationierung für langfristige Gesundheit

Ein reduzierter Zuckerkonsum während der Schwangerschaft und während der ersten zwei Lebensjahre hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit bis ins höhere Alter. Wie dieses Wissen durch Daten aus der britischen Nachkriegszeit bestätigt wurde, berichtete Prof. Dr. oec. troph. Sandra Hummel, München, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Die ersten 1000 Tage entscheiden

Die ersten 1000 Tage im Leben – beginnend mit der Zeugung – haben einen großen Einfluss auf die spätere Gesundheit. Umweltfaktoren können eine Rolle spielen, aber auch die Ernährung. So ist beispielsweise bekannt, dass sich sowohl Unter- als auch Überernährung in der Schwangerschaft negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken kann.

Was wir in den ersten 1000 Tage essen, hat Einfluss auf das ganze Leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in Großbritannien zu einer staatlich geregelten Zuckerrationierung. In einer Studie aus dem letzten Jahr wurden Gesundheitsdaten von Personen, die zu dieser Zeit gezeugt wurden und die ersten Lebensmonate verbrachten, mit Daten von Menschen verglichen, die zu einem späteren Zeitpunkt aufwuchsen.

Es zeigte sich, dass von der Rationierung betroffene Kinder im Erwachsenenalter ein deutlich geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck hatten. Am stärksten war der Effekt bei Personen, die bereits im Mutterleib sowie über die ersten sechs Lebensmonate hinaus von der Rationierung betroffen waren.

Nach Ende der Rationierung verdoppelte sich der Zuckerkonsum ungefähr auf etwa 80 Gramm pro Tag, was auch in etwa der heute in Deutschland konsumierten Zuckermenge entspricht. Auch die tägliche Energiezufuhr nahm zu, wobei die Aufnahme von Fett und Proteinen ungefähr gleichblieb.

„Window of Opportunity“ für langfristige Gesundheit

Die ersten 1000 Tage sind dementsprechend ein „Window of opportunity“ für Prävention und somit für die langfristige Gesundheitsentwicklung der Kinder, erläuterte Hummel. Bei Kindern sollte in diesem Alter komplett auf zugesetzte Zucker verzichtet werden.

Die Studie bestärke die Forderung an die Politik, dass Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln reduziert werden müssten, fordert Hummel weiter und spricht sich für eine Besteuerung entsprechender Produkte aus.

Übrigens ist nicht nur die Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft für die spätere Gesundheit der Kinder relevant. Ist der Vater zum Zeitpunkt der Zeugung übergewichtig, ist das Risiko für Übergewicht oder Typ-2-Diabetes beim Kind ebenfalls erhöht.

Quelle

Prof. Dr. oec. troph. Sandra Hummel, München. Ernährung in der Schwangerschaft: was wir aus der britischen Nachkriegszeit lernen können. Gemeinsame Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE), online am 09.07.2025.

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