Vor allem Patienten mit bestimmten Merkmalen und höherer Anfangsdosis entwickeln die gefürchteten schweren kutanen Nebenwirkungen des Gichttherapeutikums Allopurinol.
Nebenwirkungen von Allopurinol
Allopurinol wird hauptsächlich eingesetzt bei einer Hyperurikämie mit Serum-Harnsäurewerten ab 8,5 mg/dl. Zu den beobachteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen zählen neben Magen-Darm-Beschwerden zum Teil schwerwiegende Hautreaktionen innerhalb der ersten zwölf Wochen, darunter das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), die toxisch-epidermale Nekrolyse (TEN) sowie das Drug-rash-with-eosinophilia-and-systemic-Symptom (DRESS) mit teils ausgeprägter Epidermisablösung. Sie treten zwar sehr selten auf, können jedoch lebensbedrohlich sein. Eine genetische Assoziation mit HLA-B*58:01-Polymorphismen ist bekannt, aber weder ausreichend für eine Prognose noch hierzulande geprüft.
In einer retrospektiven Kohortenstudie, vorgestellt im Rahmen des europäischen Rheumatologie-Kongresses (EULAR), sollte die Inzidenz schwerer kutaner Nebenwirkungen (SJS, TEN und DRESS) infolge einer erstmaligen Allopurinol-Einnahme ermittelt werden. Die Grundlage lieferten zwei englische Datenbanken zu Hospitalisierungs- und Sterbefällen, Scoping-Literaturrecherche und Expertenbeiträge sollten zusätzlich Informationen zur Nebenwirkungsprognose liefern. Die Nachbeobachtungszeit betrug 100 Tage. Analysiert wurden die Faktoren Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Stadium einer chronischen Nierenerkrankung (CKD), Allopurinol-Anfangsdosis, ischämische Herzkrankheit und Herzinsuffizienz.
Dosis, Nierenerkrankungen und Alter beachten
Bei 63 von 170.812 (0,037%) beziehungsweise 16 von 41.610 Teilnehmern (0,038%) traten entsprechende Ereignisse auf. Insgesamt entwickelten 54 Personen generalisierte arzneimittelinduzierte Hautreaktionen, 18 ein SJS und 7 eine TEN bzw. ein nicht näher bezeichnetes Erythema multiforme.
Als starke Prädiktoren für schwerwiegende Hautreaktionen entpuppten sich fortgeschrittenes Alter, eine indische, pakistanische, bangladeschische sowie andere asiatische Ethnizität, eine tägliche Allopurinol-Startdosis von mindestens 300 mg und die CKD-Stadien 3, 4 und 5/Dialyse.
Laut der Studienautoren wären unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse ein bis drei schwere Hautreaktionen pro 1000 Therapien vermeidbar – je nach Wahrscheinlichkeitsschwelle des Vorhersagemodells.
Quelle
Cipolletta E, et al. POS1303 Predicting the risk of servere cutaneous adverse reactions in new allopurinol users: Development and validation of an multivariable prediction model using linked primary care, hospitalisation, and mortality data from England. Ann Rheum Dis. 2025;84:1345–1346.
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