In der Sitzung „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“ auf dem 44. Jahreskongress der deutschen Gesellschaft für Senologie stellten Experten Ende Juni 2025 aktuelle Ergebnisse rund um die Belange von Brustkrebspatientinnen vor. Prof. Dr. med. Volker Hanf, Nürnberg/Fürth widmete sich den Themen Cannabis und Supplemente.
Cannabis: auf dem Weg zur Evidenz
Für die Kuration gibt es für Supplemente und Cannabis keine positiven Daten, fasste Hanf den aktuellen Wissensstand zusammen.
Im Bereich Lebensqualität ist hingegen eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Verlässliche Daten finden sich in den S3-Leitlinien „Supportive Therapie“ und „Komplementärmedizin“ in der Onkologie sowie zum Mammakarzinom und in den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Onkologie (AGO).
Derzeit gibt es keine Empfehlung für oder gegen eine Anwendung von THC bzw. der Kombination von Delta-9-Tetrahydrogencannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) auf Symptome von Anorexie/Kachexie. Das gleiche gilt für die Einzelanwendung von THC oder CBD bei Schmerzen. THB:CBD in Kombination können hingegen ergänzend zur Standard-Schmerztherapie erwogen werden.
Ebenfalls erwogen werden können THC/CBD bei Patienten mit nicht ausreichender Wirksamkeit der leitliniengerechten Antiemese in der Therapie von Chemotherapie-induzierter Übelkeit/Erbrechen – also bei Intoleranz gegenüber 5-HT3– oder Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten bzw. Glucocorticoiden.
Cannabinoide haben als hochwirksame Substanzen Respekt verdient. In gewissen Situationen können sie eine Bereicherung darstellen.
Supplemente: Choose wisely
In punkto „Supplemente“ plädierte Hanf für ein „Choose wisely“. Der Ausgleich eines bestehenden Mangels sei keine Supplementation, sondern Substitution und damit Pharmakotherapie. Die ungezielte (massive) Anreicherung der Nahrung mit sekundären Inhaltsstoffen und Spurenelementen liege im Graubereich der Pharmakotherapie. Es fehlt zudem an einer gesicherten Datenbasis.
Die Beispiele Vitamin A bei Bronchialkarzinom bzw. Vitamin E, Selen bei Prostatakarzinom warnen!
Quelle
44. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Wissenschaftliche Sitzung „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll.“, 27. Juni 2025, Stuttgart.
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