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Biomarker und neue Therapien beim Morbus Parkinson

Der 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. Bezüglich dessen informierte die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DGP) bei einer Pressekonferenz über Wirkstoffkandidaten für krankheitsmodifizierende Therapien und Fortschritte in der Früherkennung der Erkrankung.

Zwei neue Wirkungsmechanismen für krankheitsmodifizierende Therapien

Bislang stehen für die Therapie der Parkinson-Krankheit nur symptommodifizierende Therapeutika zur Verfügung. Mit Prasinezumab und den GLP-1-Rezeptoragonisten stehen zwei Wirkstoffgruppen im Zentrum der Forschung, die die Krankheitsprogression verlangsamen könnten. Perspektivisch soll auch intensiver zu Gen- und Stammzelltherapien geforscht werden. Eine erste Studie mit einer Gentherapie soll bereits in diesem Jahr in Deutschland starten.

Pathologisches α-Synuklein abfangen

Prasinezumab ist ein monoklonaler Antikörper, der pathologisch aggregiertes α-Synuklein bindet. Auch wenn Prasinezumab in der Phase-II-Studie PASADENA seinen primären Endpunkt, eine signifikante Veränderung im Summenscore der Movement-Disorder-Society Unified-Parkinson’s-Disease-Rating-Scale (MDS-UPDRS) gegenüber Placebo, nicht erreichte, gaben Subgruppenanalysen Hinweise, dass Parkinson-Patienten mit schnellem Progressionsverlauf von Prasinezumab profitieren könnten. Ebenso zeigten Analysen der open-label Extensionsphase der PASADENA-Studie für eine Behandlungen mit Prasinezumab über einen Zeitraum von vier Jahren eine mögliche verlangsamte Krankheitsprogression.
Aufgrund dessen wurde die Phase-IIb-Studie PADOVA initiiert, in der nun die Wirkung von Prasinezumab als Zusatztherapie zur bestehenden Therapie bei Parkinson-Patienten im frühen Krankheitsstadium untersucht wird.

GLP-1-Rezeptoragonisten bleiben interessant

Zwar konnte durch eine Behandlung mit Exenatid keine signifikante Wirkung auf die Krankheitsprogression bei Parkinson-Patienten beobachtet werden, eine 2024 veröffentlichte Untersuchung mit Lixisenatid zeigte jedoch eine geringe, aber statistisch signifikante Verlangsamung der Symptomprogression bei Parkinson-Erkrankten. Auch aufgrund weiterer, früherer Untersuchungsergebnisse bleiben GLP-1-Rezeptoragonisten Forschungsgegenstand der Parkinson-Behandlung.

Biomarker für frühere Diagnose

Der Krankheitsverlauf von Parkinson wird bisher am Symptomumfang und neurologischen Veränderungen der Patienten festgemacht, es ist jedoch bekannt, dass die Erkrankung schon 20 bis 30 Jahre vor Auftreten der motorischen Symptome beginnt. Die Identifizierung von Biomarkern hilft dabei, nicht nur eine frühzeitige Diagnose zu stellen, sondern auch Zielstrukturen für krankheitsmodifizierende Therapien zu finden.
Ein großer Schritt gelang 2023 mit dem Seed Amplification Assay (SAA), das es ermöglicht fehlgefaltetes α-Synuklein im Liquor von Parkinson-Erkrankten nachzuweisen. Mit einer Genauigkeit von 97% können so gesunde und erkrankte Personen identifiziert werden. Zuvor war ein Nachweis erst nach dem Tod möglich. Außerdem kann ein SAA bereits zehn Jahre vor Auftreten motorischer Symptome bei Personen mit Risikofaktoren positiv ausfallen.
Auch ein KI-unterstützter Bluttest, der bei Risikopersonen eine Erkrankung bis zu sieben Jahre vor Auftreten der motorischen Veränderungen anzeigt, wird derzeit für die klinische Anwendung weiterentwickelt.
Ebenso werden neue bildgebende Methoden, mit denen α-Synuklein-Aggregate im Gehirn visualisiert werden können, entwickelt, um Parkinson-Erkrankte von Personen mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen abzugrenzen.

Nicht nur Genetik entscheidend

Neben genetischen Faktoren wird auch die Rolle des Immunsystems und Mikrobioms an der Entstehung der Erkrankung untersucht. Neuroinflammatorische Prozesse und Bakterienstämme, die die Permeabilität der Darmwand beeinflussen, werden diskutiert.
In den nächsten Jahren wird es viel Neues in der Diagnostik und Therapie des Morbus Parkinson geben, dessen ist sich Prof. Dr. Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende der DPG, sicher:

Die aktuellen Fortschritte machen die Entwicklung krankheitsmodifizierender Therapien in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten realistisch.“

Quelle

Deutsche Gesellschaft für Parkinson (DGP). Online-Pressekonferenz „Welt-Parkinson-Tag 2025: Fortschritte in Früherkennung, Diagnostik und Therapie“ vom 7. April 2025.
Bildquelle: solvod – stock.adobe.com