Intraoperatives Esketamin gegen postpartale Depressionen

Postpartale Depressionen gelten als häufige psychische Erkrankung nach der Schwangerschaft, insbesondere nach Entbindung via Kaiserschnitt. Kann intraoperatives Esketamin die Inzidenz verringern? Dieser Fragestellung nahm sich ein chinesisches Forscherteam an.

Große Belastung für Mutter und Kind

Die Geburt ihres Kindes zählen viele zu den schönsten Ereignissen ihres Lebens. Dennoch überschatten häufig postpartale Depressionen die Zeit nach der Geburt, die eine enorme Belastung für die gesamte Familie darstellen können. Angaben der Deutschen Depressionshilfe zufolge sind 10 bis 15 % der Frauen von der Erkrankung betroffen. Neben vorbestehenden psychischen Erkrankungen und weiteren Risikofaktoren scheint auch ein Kaiserschnitt das Risiko für derartige Depressionen zu erhöhen, wie verschiedene Metanalysen zeigen [1, 2]. In einer Studie wurde untersucht, ob die einmalige intraoperative Esketamin-Gabe das Risiko für postpartale Depressionen verringern kann.

Weniger Depressionen, mehr postoperative Nebenwirkungen

Die monozentrische, randomisierte, doppelblinde, pragmatische klinische Studie fand im Zeitraum März 2023 bis Februar 2024 in einem chinesischen Krankenhaus statt. Insgesamt wurden 308 schwangere Patientinnen eingeschlossen, bei denen ein Kaiserschnitt geplant war. Die Frauen wurden 1:1 der Esketamin- oder Kontrollgruppe zugeordnet. Schwangere der Interventionsgruppe erhielten nach der Entbindung eine 0,25mg/kg-Esketamin-Infusion in 20 ml Kochsalzlösung über 20 Minuten, während Frauen der Kontrollgruppe 20 ml einer reinen Kochsalzlösung infundiert wurden. Als primärer Endpunkt galt die Inzidenz postpartaler Depressionen (PPD) sechs Wochen nach Entbindung, ermittelt anhand der Edinburgh Postnatal Depression Scale. Ein sekundärer Endpunkt war die PPD-Inzidenz eine Woche nach Entbindung.

Sechs Wochen nach Entbindung lag die PPD-Inzidenz in der Esketamin-Gruppe bei 10,4 % (16 Frauen) und bei 19,5 % (30 Frauen) in der Kontrollgruppe. Das relative Risk-Ratio (RR) lag bei 0,53 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,30–0,93; p=0,02). Eine Woche nach Entbindung (sekundärer Endpunkt) lag die PPD-Inzidenz hingegen noch bei 15,6 % versus 24,0 % (RR 0,64; 95%-KI 0,40–1,03; p=0,06) und war damit nicht signifikant verringert.

Frauen der Esketamin-Gruppe litten direkt nach der OP häufiger unter unerwünschten Ereignisse wie Schwindel (18 % vs. 2 %), Trance-ähnlichen (6 % vs. 0 %) oder Traum-ähnlichen Zuständen (10 % vs. 0 %), die jedoch schnell wieder abnahmen. Bei vier Frauen der Esketamin-Gruppe traten nach der OP Halluzinationen auf.

Aussagekraft limitiert

Den Ergebnissen zufolge kann die intraoperative Esketamin-Gabe das Risiko für PPD sechs Wochen nach Entbindung um fast die Hälfte reduzieren. Die Studie weist jedoch einige Schwächen auf, die die Aussagekraft limitieren, darunter das monozentrische Design. Außerdem kann keine Aussage über das PPD-Risiko über den Zeitraum von sechs Wochen nach Entbindung hinaus getroffen werden, sodass die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung in weiteren Studien genauer untersucht werden muss.

Quelle

Ren L, et al. Intraoperative esketamine and postpartum depression among women with cesarean delivery: a randomized clinical trial. JAMA Netw Open 2025;8:e2459331. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.59331.

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Literatur

  1. Xu H, et al. Cesarean section and risk of postpartum depression: A meta-analysis. J Psychosom Res 2017;97:118-26. doi: 10.1016/j.jpsychores.2017.04.016.
  2. Ning J, et al. Meta-analysis of association between caesarean section and postpartum depression risk. Front Psychiatry 2024;15:1361604. doi: 10.3389/fpsyt.2024.1361604.