In einer kleinen Studie konnte Semaglutid einige Trinkgewohnheiten Alkoholabhängiger positiv beeinflussen und das Verlangen nach Alkohol mindern.
Bekannter Wirkstoff, neue Indikation?
Alkoholkonsum begünstigt weitere Erkrankungen und ist weltweit für etwa 2,6 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Trotzdem werden nur die wenigsten alkoholabhängigen Menschen deswegen behandelt – amerikanische Daten zeigen eine Quote von etwa 10%. Die Gründe sind vielfältig: Wenig für diese Indikation zugelassene Medikamente, mangelndes Wissen darüber und Stigmatisierung Betroffener.
GLP-1-Rezeptoragonisten werden bekanntermaßen zur Therapie von Typ-2-Diabetes oder Adipositas eingesetzt. Eine aktuelle Phase-II-Studie über neun Wochen deutet nun darauf hin, dass sich Semaglutid darüber hinaus günstig auf das Trinkverhalten bei Alkoholabhängigkeit auswirken könnte.
Die 48 Teilnehmer der randomisierten, doppelblinden Studie erhielten einmal wöchentlich Semaglutid (0,25mg für 4 Wochen, dann 0,5mg für 4 Wochen, dann 1mg für eine Woche) oder Placebo.
Weniger Rauschtrinken unter Semaglutid
Primärer Endpunkt war die labortechnisch bestimmte Trinkmenge vor und nach der Studie. Dazu erhielten die Teilnehmer ein Getränk nach Wunsch und sollten dieses in der von ihnen bevorzugten Geschwindigkeit zu sich nehmen, um die gewünschten Effekte über zwei Stunden zu erzielen. Gemessen wurde die Atemalkoholkonzentration alle 30 Minuten nach Trinkbeginn. Die so gemessene Trinkmenge nahm unter Semaglutid deutlich ab (vor vs. nach Behandlungsbeginn).
Weitere Endpunkte wurden von den Teilnehmern selbst berichtet. Diejenigen unter Semaglutid nahmen weniger Getränke pro Trinktag zu sich und verfielen seltener dem Rauschtrinken (≥4 Drinks pro Tag bei Frauen, 5≥ Drinks pro Tag bei Männern). Auch das Verlangen nach Alkohol nahm unter Semaglutid ab. Kein Unterschied war jedoch bei der Zahl der Drinks pro Kalendertag zu verzeichnen und häufiger ganze Tage abstinent waren die Teilnehmer unter Semaglutid ebenfalls nicht.
Als Nebeneffekt zeigte sich außerdem, dass die Raucher unter Semaglutid seltener zur Zigarette griffen.
Erleichterter Therapiebeginn?
Diese Ergebnisse rechtfertigen größer angelegte Studien, so die Autoren, möglicherweise auch mit weiteren GLP-1-Rezeptoragonisten. Überdies erhoffen sich die Autoren, dass mit dem Repurposing der GLP-1-Rezeptoragonisten typische Hindernisse bei der medikamentösen Behandlung von Alkoholabhängigkeit umschifft werden könnten. Darunter fallen das geringe Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Behandler sowie die Stigmatisierung von Betroffenen. Die insgesamt breite und auch noch zunehmende Anwendung in der klinischen Praxis könne wahrscheinlich Verschreibungshürden abbauen, unter anderem auch in der Primärversorgung bei Hausärzten, die selten Medikamente zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit ansetzen.
Quelle
Hendershot CS, et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults With Alcohol Use Disorder – A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 2025. doi:10.1001/jamapsychiatry.2024.4789, Published online 12. Februar.
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