Blutspenden retten Leben. Die Spender verlieren dabei jedoch große Mengen an Blut. Ob das langfristig gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, ist bislang wenig erforscht. Ein Team britischer und deutscher Forscher untersuchte nun das Blut von langjährigen Blutspendern auf das Auftreten einer klonalen Hämatopoese.
Klonale Hämatopoese als natürliche Alterserscheinung
Beim Blutspenden verlieren die Spender regelmäßig knapp 10% ihres Blutvolumens. Blutverlust kann, wie Infektionen, Zytokine oder Chemotherapie, die Proliferation von hämatopoetischen Stammzellen (HSZ) triggern und so zu genetischen Veränderungen in den HSZ führen.
Bilden sich aus einer HSZ neue Blutzellen mit einer immer gleichen Genmutation, spricht man von einer klonalen Hämatopoese (CH). Eine CH kann sich im Alter natürlich entwickeln, als klinisch relevant wird eine CH mit einer varianten Allelfrequenz von mindestens 2% eingestuft. Rund 15–20% der Menschen ab 70 Jahren haben eine CH oberhalb der 2%-Grenze. Die meisten Menschen bemerken eine CH nicht, ein geringer Teil – weniger als eine von hundert Personen jährlich – entwickelt jedoch eine Leukämie. Am häufigsten treten ein myelodysplastisches Syndrom oder eine akute myeloische Leukämie (AML) auf.
Im Rahmen der Studie wurden Blutproben von 217 über 60-jährigen Männern untersucht, die bereits mehr als hundertmal in ihrem Leben Blut gespendet hatten. Aus diesen Blutproben wurde die DNA der Leukozyten sequenziert. Die gefundenen Sequenzen wurden dann mit denen von Männern verglichen, die weniger als zehnmal in ihrem Leben Blut spendeten (n = 212).
CH nicht häufiger bei Blutspendern
Zunächst konnte kein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit einer klonalen Hämatopoese zwischen den regelmäßigen Blutspendern und der Kontrollgruppe festgestellt werden. In beiden Gruppen traten Mutationen im DNMT3A- oder TET2-Gen am häufigsten auf. In der Spendergruppe traten jedoch gegenüber der Kontrollgruppe bestimmte Mutationen im DNTM3A-Gen überwiegend auf.
In Zellversuchen zeigten Zellen mit diesen Mutationen eine besondere Sensitivität auf ein Erythropoetin(EPO)-reiches Milieu, in dem sie sich besonders gut vermehrten. Das ist interessant, weil nach einer Vollblutspende der EPO-Spiegel für ca. 120 Tage um etwa das Zweifache des Ausgangswerts erhöht ist.
Eine Mutation im DNMT3A-Gen – an Position 882 – findet sich auch häufig bei Patienten mit AML. Bei den untersuchten Männern war die Häufigkeit von Mutationen an Position 882 in beiden Gruppen allerdings gering und ähnlich. Zellen mit dieser Leukämie-assoziierten Mutation wuchsen aber im Versuch, im Gegensatz zu Zellen mit den Blutspender-assoziierten Mutationen, unter dem Einfluss entzündlicher Faktoren wie Interferon-γ besser.
Was bedeutet das für die Spender?
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass häufiges Blutspenden sehr wahrscheinlich nicht die Entstehung einer klonalen Hämatopoese oder Leukämie fördert. Sie betonen aber auch, dass Studien mit größeren Patientenkollektiven erfolgen müssen, um endgültige Aussagen treffen zu können und auch weibliche Blutspenderinnen berücksichtigt werden müssen.
Quelle
Karpova D, et al. Clonal hematopoiesis landscape in frequent blood donors. Blood published online March 11, 2025.
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