Erkenntnisse und die Erfahrungen zu zellulären Immuntherapien entwickeln sich rasant. Davon profitieren zunehmend mehr Patienten.
Die Medizin wird immer personalisierter
Es sei eine Zeit der medizinischen Revolutionen. Mit diesen Worten startete Professor Dr. med. Tobias Huber, Hamburg, die Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 151. Tagung der Nordwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin (NWGIM). Angesichts der momentanen Entwicklungen sei zudem das Vorantreiben der Interdisziplinarität relevant.
Von der zellulären Immuntherapie als Mutter aller Stammzelltherapien sprach Prof. Dr. med. Friedrich Stölzel, Kiel. Seit dem Start in den 50er-Jahren erhielten mehr als 1,5 Millionen Menschen weltweit eine Stammzelltransplantation, in Europa etwa 45.000. Die häufigsten Indikationen sind maligne Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämien und Lymphome.
Mehr Möglichkeiten durch allogene Stammzellen
Insbesondere allogene Therapien nehmen dank fortgeschrittener Technologien an Bedeutung zu, so Stölzel. Im Gegensatz zur autologen Stammzelltherapie, die eigene Stammzellen der Patienten verwendet, ist beim Einsatz fremder Zellen eine spezielle Aufarbeitung nötig. Bei den Verfahren dieser genetischen Modulation konnten bedeutende Fortschritte erzielt werden, sodass die Anforderungen an Übereinstimmungsmerkmale nicht mehr so streng seien. Mittlerweile gelingen Transplantationen über bestimmte Gewebemerkmale hinweg.
Kombiniert mit der hohen Spendebereitschaft gerade in Deutschland, ermöglichen diese Entwicklungen stetig wachsende Möglichkeiten für kurative Therapieansätze. Verbesserte Prophylaxemaßnahmen und Therapien bezüglich Abstoßungsreaktionen und dem Management von Infektionen erhöhen ebenfalls die Erfolgsquote von Stammzelltherapien.
Es sind sehr spannende Zeiten.“
CAR-T-Zellen weiter auf dem Vormarsch
Als alternative, potenziell kurative Therapieform gilt weiterhin die CAR-T-Zelltherapie. Hier sind es Immunzellen, die genetisch verändert und wieder zugeführt werden. Sie haben den Auftrag, die maligne Erkrankung des blutbildenden Systems zu bekämpfen. Nach ersten individuellen Heilversuchen im Jahr 2010 nehmen Studien bis hin zur Phase III stetig zu. Heutzutage können Leukämien und multiple Myelome therapiert werden, die noch vor fünf Jahren als nicht heilbar galten.
Noch sei der Einsatz von CAR-T-Zellen in erster Linie für Patienten mit speziellen Hochrisikomerkmalen oder wiederkehrenden Erkrankungen sowie Studienteilnehmern vorbehalten, doch es bestehe enormes Potenzial für eine größere Zielgruppe.
Quelle
Prof. Dr. med. Tobias Huber, Prof. Dr. med. Friedrich Stölzel. Moderne zelluläre Immuntherapien in der Hämatologie. Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 151. Tagung der Nordwestdeutschen Gesellschaft für Innere Medizin (NWGIM) am 12. Februar 2025.
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