Pflanzendrinks: Keine Kuh, keine Nährstoffe?

Tierschutz, Klima, Unverträglichkeit: Aus verschiedenen Gründen verzichten viele Menschen auf Kuhmilch und nutzen Pflanzendrinks als Alternativen. Bei denen lohnt sich ein Blick auf die Nährwerttabelle, vor allem für Eltern von Kleinkindern.

Unterschiedliche Zusammensetzungen

Ein Vorteil der Milchalternativen ist eine deutlich geringere Belastung für das Klima bei der Erzeugung. Pflanzendrinks verursachen pro Liter nur etwa ein Viertel bis die Hälfte der Treibhausgasemissionen von Kuhmilch, das bestätigt auch die Verbraucherzentrale. Besonders nachhaltig sind Produkte aus regional angebauten Zutaten wie Hafer oder Lupinen.

Doch Lebensmittel sollen nicht nur der Umwelt dienen, sondern im besten Fall auch der Gesundheit. Ein Pluspunkt der Pflanzendrinks ist, dass sie nur wenig gesättigte Fettsäuren und kein Cholesterol enthalten und einen – wenn auch geringen – Anteil an Ballaststoffen. Doch die Rezepturen der Drinks unterscheiden sich. Es gibt einfach Wasser plus Pflanzenextrakte, aber auch Zutaten wie Aromen, Salz, Verdickungsmittel, Fette und Ballaststoffe oder eben Vitamine und Mineralstoffe.

Besser mit Nährstoff-Plus

So erinnert das an das Bundeszentrum für Ernährung angeschlossene Netzwerk Gesund ins Leben in einer aktuellen Stellungnahme daran, dass die Nährstoffprofile von Pflanzendrinks nicht 1 : 1 mit denen von Milchprodukten vergleichbar sind. Das kann vor allem für Kleinkinder problematisch sein, wenn durch den Austausch im Speiseplan essenzielle Nährstoffe zur Mangelware werden. Ein Beispiel: Pure Haferdrinks liefern null Calcium, Sojadrinks etwa 13 mg pro 100 ml, Kuhmilch dagegen 120 mg.

Wer schnell wächst, braucht reichlich Nährstoffe. Also ist eine ausreichende Zufuhr für Kleinkinder besonders wichtig. Allgemeine Ernährungsempfehlungen für 1- bis 3-Jährige sehen tierische Lebensmittel in „mäßiger“ Verwendung vor. So empfiehlt das Konzept der Optimierten Mischkost täglich 300 ml Milch, einschließlich Milchprodukte, aufgrund des hochwertigen Proteins und zur Versorgung mit Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12.

Das Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) kommt zu dem Schluss: Würde die Hälfte der hier vorgesehenen Mengen an Milch(produkten) ersatzlos entfallen, würden die DGE/ÖGE-Referenzwerte für Calcium, Vitamin B2 und für Vitamin B12 nicht erreicht werden. Die selbst bei Kuhmilch-Verwendung kritische Jodversorgung würde noch weiter sinken. Ganz ohne Milch, Käse und Co. würde die Nährstoffversorgung noch kritischer werden. Daher sprechen sich die Experten für Pflanzendrinks mit milchtypischen Nährstoffzusätzen aus, im Idealfall mit Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12.

Bitte außerdem beachten

Weitere Tipps (nicht nur) für Eltern, die ihren Kindern die Flüssigvarianten von Soja, Hafer, Mandel, Reis, Kokosnuss, Lupine oder Erbse statt Kuhmilch anbieten möchten, lauten: Gezielt Lebensmittel in die Ernährung einbauen, die die genannten Nährstoffe enthalten (calciumreiches Mineralwasser, Jodsalz, Vollkornprodukte) und eventuell eine professionelle Ernährungsberatung zu Rate ziehen. Auch Nahrungsergänzungsmittel können nach Rücksprache mit dem Kinderarzt bestehende oder drohende Mängel ausgleichen, allen voran Vitamin B12 bei veganer Ernährung.

Die Absorptionsrate von Calcium ist bei dem Zusatz Calciumcarbonat höher als bei Tricalciumphosphat. Phytinsäure, Tannine und Fasern in den Pflanzendrinks können wiederum die Calciumaufnahme hemmen.

Einfach, aber wichtig: Zugesetzte Mineralstoffe setzen sich gern am Boden der Packung ab, daher ist das Schütteln vor dem Verzehr für die Nährstoffversorgung relevant. Auf Produkte mit Zucker, Süßungsmittel und Aromen lieber verzichten.

Achtung: Pflanzendrinks mit Biosiegel dürfen keine Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen haben. Allenfalls ist hier die calciumreiche Alge Lithothamnium zu finden, mit deren Zusatz angereicherte Produkte es mit Kuhmilch aufnehmen können.

Quelle

Rempe C. Pflanzendrinks statt Kuhmilch: Wie ist der Ersatz in der Ernährung von Kleinkindern zu bewerten? Netzwerk Gesund ins Leben. Stand: 15.01.2025. https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/ernaehrung-und-bewegung-fuer-kleinkinder/nachgefragt/pflanzendrinks-statt-kuhmilch-bewertung (Abruf am 21.01.2025).

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