Jodmangel in Deutschland durch Hafermilch & Co?

Der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln und Fertiggerichten sowie Milchersatzprodukten führt laut eines aktuellen Berichts des europäischen Regionalbüros der WHO und des globalen Iod-Netzwerks (IGN) zu einem erhöhten Risiko für Jodmangel.

Auswirkungen von Jodmangel

Jodmangel, vor allem ein leichter Jodmangel, stellt in Europa nach wie vor ein Problem dar. Mögliche Konsequenzen sind Störungen der Hirnentwicklung in frühen Lebensjahren und das Risiko für die Entwicklung eines Kropfes, weiterhin Schilddrüsenknoten und eine Hyperthyreose aufgrund einer Überstimulierung der Schilddrüse.

Jod in unseren Nahrungsmitteln

In einigen europäischen Ländern am Meer wie Dänemark, Finnland und den Niederlanden ist die Jodversorgung bei erwachsenen Frauen und Männern ausreichend. Deutschland gehört allerdings nicht dazu. In den meisten Regionen Europas enthält Trinkwasser nur geringe Jodkonzentrationen (< 10 µg/l). Wichtige Jodquellen sind neben Fisch, Fleisch, Brot und Getreide auch Milchprodukte. Milch enthält in Deutschland im Durchschnitt 120 µg/kg Jod. Die empfohlene Zufuhrmenge für Erwachsene liegt bei 150 µg Jod pro Tag.

Keine ausreichende Jodversorgung bei Erwachsenen

Durch den Einsatz von Jodsalz hat sich die Jodzufuhr seit Mitte der 1980er-Jahre in Deutschland verbessert. Nahrungsmittel, die nicht zuhause produziert und zubereitet werden, beispielsweise Brot, verarbeitetes Fleisch oder Fertiggerichte sind heutzutage mit 70 bis 80 % die Quelle Nummer eins für die Aufnahme von Kochsalz in Ländern der europäischen Region. Jedoch enthalten laut aktueller Marktumfragen in Deutschland nur 9% der verarbeiteten Lebensmittel jodiertes Speisesalz.

Der Wandel zu pflanzlichen Ernährungsalternativen, besonders bei Frauen, birgt das Risiko für eine Jod-Unterversorgung. Deshalb sollten in Ländern, in denen der Großteil des Jods aus Milchprodukten stammt, pflanzliche Milchalternativen wie Soja- oder Haferdrinks mit Jod angereichert werden.

Jodierung von Speisesalz bleibt Hauptstrategie

Zum Aktionsplan der WHO zur Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört die Reduktion des Kochsalzkonsums auf maximal 5 g pro Tag.

Konkret soll bis 2025 die NaCl-Aufnahme um 30% verringert werden. Strategien zur Salzreduktion und zur ausreichenden Jodversorgung über eine Jodierung des Speisesalzes müssen sich nicht widersprechen. So könnte über Monitoring von Urinproben und Übereinkunft mit der Lebensmittel- und Salzindustrie der Jodgehalt in Speisesalz erhöht werden. Eine entsprechende Aufklärung der Bevölkerung und der Akteure unseres Gesundheitswesens ist angebracht.

Quelle

World Health Organization. Prevention and control of iodine deficiency in the WHO European Region. Aadapting to changes in diet and lifestyle 2024. https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289061193

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