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Bluthochdruck in der Schwangerschaft: neue Empfehlungen erschienen

Sechs bis acht Prozent der schwangeren Frauen haben Bluthochdruck. Eine neue Leitlinie soll die frühzeitige Diagnose und die Therapie verbessern.

Präzisere medikamentöse Einstellung empfohlen

Definitionsgemäß besteht eine Gestationshypertonie, wenn im Verlauf einer Schwangerschaft bei einer zuvor normotensiven Schwangeren Blutdruckwerte ≥140 mmHg systolisch und/oder ≥90 mmHg diastolisch neu auftreten – ohne zusätzliche Kriterien, die eine Präeklampsie definieren.

In der S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie“ wird empfohlen, den Bluthochdruck bei Frauen mit wiederholter Gestationshypertonie medikamentös zu behandeln. Die Zielblutdruckwerte sollen ≤135 mmHg systolisch und ≤85 mmHg diastolisch betragen (Expertenkonsens, Konsensusstärke +++). Bei der Blutdruckeinstellung gelte die Regel „start low, go slow“. Steigt der Blutdruck über 160 mmHg systolisch und/oder 110 mmHg diastolisch, soll die Einleitung der medikamentösen Therapie unter stationären Bedingungen erfolgen.

Mit der medikamentösen Einstellung des Bluthochdrucks könne idealerweise auch der Zeitpunkt der Entbindung bei optimalem Verlauf weiter verschoben werden, betonte Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Ulrich Pecks, Würzburg, in einer Pressemitteilung.

Denn weiterhin ist die einzige kurative […] Therapie für einen Schwangerschafts-Bluthochdruck die Entbindung. Oft bessern sich die Werte schon 48 Stunden nach der Geburt.

Diuretika, ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten nicht geeignet

Mittel der ersten Wahl zur antihypertensiven Therapie in der Schwangerschaft sind α-Methyldopa, Nifedipin und Labetalol/Metoprolol:

  • α-Methyldopa: längste klinische Erfahrung, jedoch wird ein Zusammenhang mit der Entwicklung psychischer Erkrankungen bzw. der Beeinflussung einer bestehenden Erkrankung diskutiert
  • Nifedipin retard: α-Methyldopa in Bezug auf das Vermeiden schwerer Hypertonie überlegen, laut Leitlinie ist Off-label-Use gerechtfertigt, kontraindiziert bei maternaler Aortenstenose
  • Metoprolol: mit einem niedrigen Geburtsgewicht assoziiert, kontraindiziert bei schlecht eingestelltem Asthma bronchiale, erhöht das Risiko neonataler Bradykardien und Hypoglykämien
  • Labetalol: α-Methyldopa in Bezug auf das Vermeiden schwerer Hypertonie überlegen, steht in Deutschland jedoch nicht zur Verfügung

Als nicht geeignet sehen die Leitlinienexperten aus unterschiedlichen Gründen Diuretika, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten sowie alle anderen Antihypertensiva an.

Zur initialen Behandlung einer schweren Hypertonie in der Schwangerschaft stehen laut Expertenkonsens Urapidil, Nifedipin und Dihydralazin zur Verfügung – letzteres habe gegenüber Urapidil allerdings häufiger maternale Nebenwirkungen.

Die kompletten Empfehlungen sind der Leitlinie zu entnehmen.

Präeklampsie verhindern

Bluthochdruck in der Schwangerschaft kann auch ein Hinweis auf eine Präeklampsie sein. Zu den typischerweise betroffenen Organsystemen zählen Plazenta, Nieren, Zentralnervensystem, Leber,  hämatologisches System und Lunge. In industriell entwickelten Ländern sind mütterliche Todesfälle inzwischen selten. Weltweit sterben jährlich jedoch mehr als 50.000 Frauen und 500.000 Babys an den Folgen einer Präeklampsie.

Die Autoren der Leitlinie empfehlen für jede Schwangere in der 12. oder 13. Schwangerschaftswoche ein Screening auf Präeklampsie. Vor allem, da Frauen heute bei der ersten Schwangerschaft älter sind und zunehmend Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus haben, sei eine frühe Erkennung wichtig, so Peck. Allerdings ist ein solches Screening bislang keine Kassenleistung.

Folgeerkrankungen minimieren

Schwangerschaftshypertonie erhöht das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Postpartal sollen daher bei Gestationshypertonie oder Präeklampsie regelmäßig intensivierte Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Nach der Geburt ist meist eine Umstellung auf einen ACE-Hemmer (z.B. Enalapril) oder einen Kalziumkanalblocker (darunter Amlodipin) möglich.

Ein neu entwickelter Nachsorgepass soll betroffenen Müttern helfen, das Thema mit den weiterbehandelnden Ärzten nach Geburt und Wochenbett zu besprechen.

Quellen