Mithilfe eines kürzlich in einer Studie gefundenen Schwellenwertes des Zytokins CXCL13 könnte die Diagnose einer Neuroborreliose zukünftig schneller und einfacher sein.
Verschiedene Biomarker sind mit einer Neuroborreliose assoziiert
Meist finden sich bei einer Neuroborreliose im Liquor vermehrt Lymphozyten und Immunglobuline – im Frühstadium vorrangig IgM und IgG, im späteren Stadium IgG und IgA. Im Serum kann man Borrelien-spezifische Immunglobulin-Antikörper finden. Jedoch ist im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten nicht immer eine Antikörperantwort detektierbar. Gleichzeitig bedeutet der Nachweis von Antikörpern nicht gleich eine aktuelle Borrelia-Erkrankung. Der Borrelien-Antikörperindex (Verhältnis der Borrelien-Antikörperkonzentration zwischen Blut und Liquor) darf nur zusammen mit der klinischen Symptomatik und weiteren Parametern, wie Proteinen (z.B. Zytokine) und der entzündlichen Liquorveränderung, interpretiert werden.
Zytokin soll nun der Durchbruch sein
Das Zytokin oder genauer Chemokin CXCL13 ist seit einigen Jahren bekannt. Es kommt bei fast allen Patienten mit Neuroborreliose in erhöhter Konzentration im Liquor vor, noch bevor die spezifische Immunantwort einsetzt. CXCL13 wird von Monozyten nach dem Kontakt mit den Erregern sezerniert und lockt B-Zellen an, die dann Antikörper bilden. Nach Beginn einer Antibiose sinkt die Konzentration schnell wieder. Zwar ist auch dieser Biomarker nicht Neuroborreliose-spezifisch, jedoch konnte in einer aktuellen Studie gezeigt werden, dass der CXCL13-Spiegel im Liquor mit der Krankheitsaktivität korreliert.
Die Studienautoren konnten nun einen Schwellenwert definieren. Eine CXCL13-Konzentration in der Spinalflüssigkeit von >271 pg/ml lässt mit hoher Sensitivität (95,2 %) und Spezifität (97,2%) eine Diagnose für eine akute Neuroborreliose zu.
Zukünftiger Nutzen in der Diagnosestellung?
Für den Neurologen Dr. Waiß ist klar, dass die hohe Aussagekraft des CXCL13-Schwellenwertes ebenso überzeugt wie die leichte Verfügbarkeit des Tests:
Die Konzentration von CXCL13 ist ein hervorragender Biomarker, der bereits kurz nach einer Infektion die Diagnose einer Neuroborreliose, insbesondere in unklaren Fällen, unterstützen kann. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, die an dieser Studie mitgewirkt haben, bin ich der Ansicht, dass dieser Biomarker in die Routinediagnostik der Neuroborreliose mit aufgenommen werden sollte.
Quellen
Pressemitteilung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften: Schnellere Borreliose-Diagnose mittels Biomarker. 10. Juli 2024.