Intervallfasten bei Diabetes vorteilhaft

Abnehmen und den Blutzucker in Balance bringen: Was kann Fasten bei Diabetes erreichen? Viel, wenn man es gut plant, sagen Experten. Dabei ist Low-Carb nicht zu empfehlen, Intervallfasten jedoch schon.

Hoffnung auf bessere Glucosespiegel

Geht es um die gesundheitlichen Vorteile, ist der freiwillige Verzicht auf Nahrung und/oder Flüssigkeiten für einen bestimmten Zeitraum deutlich abzugrenzen von erzwungenen Fastenzuständen durch körperliche oder geistige Erkrankungen. Prof. Dr. med. Thomas Skurk, München, nannte auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Diabetes Kongresses 2024 die Gewichtskontrolle als häufigste Motivation für Nahrungsfasten. Doch gerade bei Menschen mit Diabetes mellitus spielt auch die Blutzuckerkontrolle zunehmend eine Rolle bei der Entscheidung, zwischenzeitlich Mahlzeiten einzusparen.

Vorsicht bei Low-Carb

Eine Verbesserung des HbA1C-Werts um ein Prozent reduziert unter anderem das kardiovaskuläre Risiko deutlich. Der Ernährungsmediziner bestätigte Beobachtungen, dass höhere Ketonkörperspiegel den Appetit vermindern und die Insulinsensitivität fördern können. Die Daten beziehen sich jedoch hauptsächlich auf Patienten mit nichtinsulinpflichtigem Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas.

Während solche Diäten bei Diabetes Typ 2 noch relativ einfach zu händeln sind, bergen kohlenhydratmodifizierende Diäten beim insulinpflichtigen Typ-1-Diabetiker Stoffwechselrisiken im Zuge einer ketogenen Stoffwechsellage, wenn die Kohlenhydratzufuhr weniger als 130 Gramm pro Tag beträgt. Der Insulinbedarf sinkt zwangsläufig, daraufhin steigen die Lipolyse, Beta-Oxidation und die Ketonkörperproduktion. Für Stoffwechselgesunde weniger problematisch, doch für Diabetiker besteht die Gefahr einer diabetischen Ketoazidose, wie sie unter diesen Diätbedingungen bereits mehrfach beschrieben wurde.

Auch wenn es vereinzelt Hinweise gibt, dass eine Low-Carb-Diät zu kurzfristigen Verbesserungen der glykämischen Variabilität bei Typ-1-Diabetes führt, wiegen die möglichen Risiken und eine verschlechterte Diabetessteuerung die Vorteile nicht immer auf.

Fasten ist kein Allheilmittel bei Diabetes

Verlängerte Fastenperioden über 25 Stunden sind dennoch sicher, wenn eine kontinuierliche Glucosemessung erfolgt oder eine gute Wahrnehmung für hypoglykämische Ereignisse besteht, sagte Skurk. Ob die Essenspausen aber tatsächlich einen Benefit für den Glucosespiegel bedeuten, ist jedoch offen. Verschiedene Studien konnten keine eindeutig signifikanten HbA1C-Änderungen belegen, wobei gleichzeitig der Insulinbedarf teilweise deutlich sank. Weitere Vermutungen betreffen die Inselzellimmunität: So könnte eine Low-Carb- oder ketogene Ernährung das Mikrobiom beeinflussen, die Autoimmunität reduzieren sowie eine diabetische Stoffwechsellage erst verzögert auftreten lassen. Diese Hinweise konnten bisher jedoch ebenfalls nicht verifiziert werden.

Besser moderat

Was ist also aus Sicht des Experten empfehlenswert? Grundsätzlich bieten sich für Diabetiker Methoden an, die auf konstanten, vorhersehbaren Bedingungen beruhen, so Skurk. Ein moderates Fasten, bei dem die Struktur der Nahrungsaufnahme mit Frühstück – Mittagessen – Abendbrot grundsätzlich erhalten bleibt sei etwa das 16/8-Intervallfasten. Dabei ist die Nahrungsaufnahme auf ein Zeitfenster von acht Stunden begrenzt. Diese Methode ist mit den modernen Insulinen gut kontrollierbar und kann längere Zeit durchgehalten werden.

Kurzfristiges Fasten macht kurze Effekte, langfristiges Fasten erzielt längere Effekte.

Fasten bei einer Diabeteserkrankung ist eine gewisse Herausforderung, auch für die medikamentöse Therapie. Der Expertenrat für Ärzte und Apotheker lautet, insbesondere in der Startphase die Ernährungs- und Insulinpläne zu prüfen und die Patienten über die möglichen Konsequenzen gut aufzuklären. Da es keine einheitlichen Methoden für Insulinpläne gibt, ist hier eine individuelle Strategie extrem wichtig.

Quelle

Apl. Professor Dr. med. Thomas Skurk, München. Fasten bei Diabetes Typ 1 und Typ 2: Was gilt es zu beachten, was sind die Benefits? Pressekonferenz im Vorfeld des Diabetes Kongresses 2024, 58. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 23. April 2024.