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Mehr Lebensqualität für Patienten mit Herzinsuffizienz

Dass sich unter SGLT2-Inhibtioren und GLP-1-Rezeptoragonisten Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen bei Patienten mit Herzinsuffizienz reduzieren lassen, ist gut belegt. Welchen Einfluss Arzneimittel wie Empagliflozin oder Semaglutid auf die Lebensqualität der Patienten haben, zeigen zwei aktuelle Analysen.

Anstieg der Lebensqualität unter Empagliflozin, Dapagliflozin und Co.

Ein Autorenteam des Mount Sinai Hospital, New York untersuchte anhand einer Metaanalyse, inwieweit Hemmer des Natriumglucose-Cotransporter 2 (SGLT2) die Belastbarkeit und Lebensqualität von Patienten mit Herzinsuffizienz verbessern. Eingeschlossen wurden 17 randomisierte Placebo-kontrollierte klinische Studien (RCT). In den Studien war die körperliche Leistungsfähigkeit mittels höchstem Sauerstoffverbrauch (VO2-Spitzenwert) oder 6-Minuten-Gehstrecke (6MWD) gemessen worden. Die Lebensqualität wurde mit dem Kansas City Cardiomyopathy Questionnaire-12 bestimmt, einem Maß für Herzinsuffizienz-bedingte Symptome und körperliche Einschränkungen: Gesamtsymptom-Score (KCCQ-TSS), klinischer Gesamtscore (KCCQ-CSS) bzw. Gesamtscore (KCCQ-OSS).

In den 17 RCTs wurden insgesamt 23.523 Teilnehmer über einen Zeitraum von 12 bis 52 Wochen beobachtet (Durchschnittsalter 69 Jahre; 36% weiblich; 46% mit Typ-2-Diabetes; mittlere linksventrikuläre Ejektionsfraktion 43,5%). In vier der 17 Studien wurden VO2-Spitzenwerte ermittelt, in sieben die 6MWD, in zehn KCCQ-Werte. Die Prüfsubstanzen waren Empagliflozin (neun Studien), Dapagliflozin (sechs Studien) und Canagliflozin (zwei Studien).

Unter den SGLT2-Inhibitoren waren die Ergebnisse signifikant besser als unter Placebo (jeweils mittlere Differenz):

  • VO2-Spitzenwert: 1,61 ml/kg/min; p=0,002
  • 6MWD: 13,09 m; p=0,03
  • KCCQ-TSS: 2,28 Punkte; p<0,001
  • KCCQ-CSS: 2,14 Punkte; p<0,001
  • KCCQ-OSS: 1,90 Punkte; p<0,001

Das Ergebnis war unabhängig von der Ejektionsfraktion, dem Geschlecht oder dem Vorliegen eines Diabetes mellitus.

Semaglutid verbessert Werte auch bei Adipositas-bedingter HFpEF

Das internationale Autorenteam einer im Lancet veröffentlichten Analyse zweier RCTs konnte für Patienten mit Adipositas-bedingter Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) einen positiven Effekt unter dem Glucagon-like-Peptide-1(GLP-1)-Rezeptoragonisten Semaglutid im Vergleich zu Placebo zeigen.

In der vorab festgelegten Analyse von STEP-HFpEF (Patienten ohne Diabetes mellitus) und STEP-HFpEF DM (Patienten mit Diabetes mellitus) wurden individuelle Patientendaten gepoolt ausgewertet. Es wurden 1145 Teilnehmer einbezogen (529 aus STEP-HFpEF; 616 aus STEP-HFpEF DM). Die Studienteilnehmer hatten eine Herzinsuffizienz mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion 45%, einen BMI 30 kg/m2, Symptome der New York Heart Association (NYHA) Klasse II–IV und einen KCCQ-CSS <90 Punkte. Sie erhielten für 52 Wochen 1:1 randomisiert entweder Semaglutid (einmal wöchentlich 2,4 mg) oder Placebo. Primäre Endpunkte waren die Veränderung des KCCQ-CSS und des Körpergewichts in Woche 52 im Vergleich zum Ausgangswert. Ein sekundärer Endpunkt war die Veränderung der 6MWD.

Auch unter Semaglutid waren die Ergebnisse signifikant besser als unter Placebo (jeweils mittlere Differenz):

  • KCCQ-CSS: 7,5 Punkte; p<0,0001
  • Körpergewicht: –8,4 %; p<0,0001
  • 6MWD: 17,1 Meter; p<0,0001

In Subgruppenanalysen waren die Ergebnisse weitgehend konsistent. In der Semaglutid-Gruppe wurden 161 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse berichtet, unter Placebo 301.

Im Rahmen der Fachpressekonferenz der 90. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sagte Prof. Dr. Nikolaus Marx, Aachen, zu den Ergebnissen der STEP-HFpEF-Studie:

Das ist die größte Steigerung im KCCQ, die wir je mit so einer Substanz in einer Studie gesehen haben.

Auf der Pressekonferenz waren sich die Experten einig, dass Semaglutid für übergewichtige Herzpatienten nicht weiterhin als Lifestyle-Arzneimittel geführt werden sollte. In den USA wurde Semaglutid bereits zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Erwachsenen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht oder Adipositas zugelassen. In Europa steht die Zulassungserweiterung noch aus.

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