Häufiger Stuhlgang, Blähbauch, Völlegefühl oder auch Obstipation – die Symptome des Reizdarmsyndroms sind für Betroffene oft eine enorme Belastung. In einer Sitzung des 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin führte Prof. Dr. med. Martin Storr durch die Leitlinie des Syndroms und ging insbesondere auf ernährungstherapeutische Ansätze ein.
In drei Schritten zur Diagnose
Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine chronische Erkrankung (> 3 Monate), die in der Regel mit Stuhlgangveränderungen einhergeht und die Lebensqualität des Patienten relevant beeinträchtigt. Die Symptome sind variabel und äußern sich beispielsweise in einer unvollständigen Entleerung des Darms, Bauchkrämpfen mit Stuhlgang, abdominellen Distension und Besserung bei Stuhlgang.
Basierend auf der S3-Leitlinie der DGVS müssen zur Diagnose des Reizdarmsyndroms drei Kriterien erfüllt sein, so Storr:
- Chronische Beschwerden über mehr als drei Monate hinweg die vom Patienten und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangveränderungen einhergehen.
- Der Patient sucht aufgrund der Beschwerden Hilfe und seine Lebensqualität wird relevant beeinträchtigt.
- Keine andere Krankheit liegt als Ursache der Beschwerden vor.
Probatorische Stufentherapie
In der Leitlinie wird zur Behandlung des Reizdarmsyndroms zunächst eine symptomunabhängige „Basistherapie“ empfohlen. Als wichtige Maßnahme hob Storr hier neben der körperlichen Aktivität der Patienten, beispielsweise durch Reizdarmyoga, insbesondere die Ernährungsumstellung der Patienten hervor.
Führen die Basismaßnahmen nicht zum gewünschten Ergebnis, folgt die „spezielle Therapie“. Hierbei stehen eine psychosomatische Behandlung sowie eine medikamentöse Behandlung mit klinisch definierten Wirkstoffen im Fokus. Die Einführung der Behandlungsmaßnahmen solle dabei schrittweise und probatorisch erfolgen, berichtete Storr.
Vorsicht: Blähungsfallen
Anhand der Leitlinie präsentierte Storr einen Ernährungsfahrplan zur stufenweisen Ernährungsumstellung, begonnen bei einer einfach gehaltenen Beratung des Patienten bis hin zu einer Überweisung an Ernährungsmediziner. In Maßen genießen sollten Patienten mit Reizdarmsyndrom insbesondere Rohkost, Smoothies und Vollkornprodukte. Diese Lebensmittel verursachen häufig Verdauungsbeschwerden und können die Gasbildung steigern. Um herauszufinden, welche individuellen Symptome die Nahrungsmittel bei Patienten auslösen, empfiehlt Storr ein Ernährungs-Symptom-Tagebuch.
Empfohlen werden kann den Patienten stattdessen eine FODMAP(Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide and Polyole)-Diät. Eine Ernährungsform, bei der auf fermentierbare Kohlenhydrate verzichtet wird. In Studien aus dem Jahr 2016 und 2022 konnte bereits gezeigt werden, dass eine FODMAP-Diät der medikamentösen Behandlung mit einem Spasmolytikum sowie einer meditativen Therapie überlegen sein kann.
FODMAP-reiche Lebensmittel sind nicht ungesund, aber für Reizdarm-Patienten unbekömmlich.
Zu den Lebensmitteln mit sehr hohem FODMAP-Anteil gehören beispielsweise:
- Weizen und Roggen
- Zwiebeln, Lauch, Knoblauch, Blumenkohl und Pilze
- Äpfel, Birnen, Trockenfrüchte, Säfte, Wassermelone und Steinobst
- Milch und Joghurt
- Hülsenfrüchte
- Polyole wie Sorbitol
Laut Storr kann eine sechswöchige strenge FODMAP-Ernährung schon zu deutlichen Besserungen führen. Langfristig könne der Patient dadurch herausfinden, was er verträgt und einzelne FODMAP-reiche Lebensmittel gegebenenfalls wieder auf den Speiseplan setzen.
Fazit
Insgesamt sollte die Therapie des Reizdarmsyndroms schrittweise und probatorisch erfolgen. Für die Ernährungstherapie sei der Verweis an einen qualifizierten Ernährungsberater entscheidend, so Storr. Nur so könne der Patient individuell beraten und seine Fragen sachgemäß beantwortet werden.
Quelle
Prof. Dr. med. Martin Storr, Starnberg. Das Reizdarmsyndrom – Grundlagen und neue Studien. 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Online 15. April 2024.
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