FODMAP bei Reizdarm erfolgreicher als Medikation

Eine weitere Studie untermauert den Nutzen einer Ernährungsumstellung in der Therapie des Reizdarmsyndroms. Dabei war die FODMAP-Diät als Primärbehandlung effektiver als ein muskulotropes Spasmolytikum.


Wie ein Chamäleon

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist ein schwer zu fassendes Krankheitsbild mit sowohl gastroenterologischem als auch psychosomatischem Bezug. Die Diagnose erfolgt allein mangels organischer Befunde und durch den Ausschluss anderer Erkrankungen. Nichtsdestotrotz ist die funktionelle Verdauungsstörung mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von etwa 11 % weit verbreitet; die Lebensqualität vieler Patienten ist stark eingeschränkt, die psychische Belastung hoch.

Wanted: Eine wirksame Therapie

Laut der aktuellen S3-Leitlinie ist eine ursächliche Therapie nicht möglich. Daher besteht die Behandlung eines Reizdarmsyndroms in der gemeinsam von Arzt und Patient zu erarbeitenden, symptomatischen Behandlung der vorliegenden gastrointestinalen und somatoformen Beschwerden. Da die Symptome von Patient zu Patient und zusätzlich phasenweise stark variieren können, haben individuell erfolgreiche Lösungen Vorrang vor allgemeinen Therapieempfehlungen.

Neben medikamentösen und psychotherapeutischen Maßnahmen gelten Ernährungsinterventionen als wichtige Säule der RDS-Therapie. Zusätzlich zur Diagnostik möglicher Malabsorptionen und der Identifikation von individuell problematischen Lebensmitteln steht dabei die sogenannte FODMAP-Diät im Fokus. Eine aktuelle Studie aus Belgien stellte diese Ernährungsform im direkten Vergleich der Gabe von Otiloniumbromid gegenüber, das in verschiedenen Ländern (wenn auch nicht in Deutschland) bei RDS eingesetzt wird.

Einmal ohne Gase, bitte!

FODMAP bedeutet: fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole. Nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die größere Mengen dieser Kohlenhydrate und Zuckeralkohole enthalten, entstehen bei den Zersetzungsvorgängen im Darm vermehrt Gase durch Gärungsprozesse. Diese bedeuten eine zusätzliche Belastung für das ohnehin gereizte Verdauungsorgan und verstärken die Problematik von Durchfall, Blähungen und Schmerzen. Die FODMAP-Diät setzt auf eine Reduktion dieser Nahrungsbestandteile.
Eine FODMAP-Diät beginnt mit dem Verzicht aller FODMAP-reichen Lebensmittel. Darunter fallen Produkte mit hohem Lactose- und Fructosegehalt, schwer Verdauliches wie Rohkost, Frittiertes und Hülsenfrüchte sowie Fertigprodukte und Getränke mit industriellen Süßungsmitteln. Es braucht etwa sechs bis acht Wochen, um einen Zustand der Erholung zu erreichen. Anschließend werden einzelne Lebensmittel allmählich bis zur persönlichen Verträglichkeitsgrenze ausgetestet. Das Ziel ist ein Speiseplan mit einer akzeptablen Balance aus einer möglichst geringen Einschränkung der Essgewohnheiten und einem erträglichen Maß der Symptome.

Diät schlägt Medikation

Für Otiloniumbromid liegen Studienergebnisse vor, die die Wirkung zur Linderung krampfhafter Darmschmerzen beim Reizdarmsyndrom belegen. Die randomisierte kontrollierte DOMINO-Studie aus Belgien untersuchte nun die Effekte des Spasmolytikums im Vergleich mit der FODMAP-Diät. Dazu wurden 459 RDS-Patienten acht Wochen lang entweder mit dreimal täglich 40 mg Otiloniumbromid oder einer FODMAP-reduzierten Ernährung behandelt. Die Beobachtungszeit betrug 24 Wochen, zur Analyse diente der IBS Symptom Severity Score, ein gängiges Bewertungssystem für den RDS-Schweregrad. Die Analyse erfolgte sowohl für alle Patienten als auch für eine Subgruppe von Patienten, die die Rome-IV-RDS-Diagnosekriterien erfüllten. Neben der Wirksamkeit der Behandlung wurden außerdem die Lebensqualität, Angstzustände, Depressionen, somatische Symptome und die Therapieadhärenz untersucht. Die Ergebnisse nach acht Wochen lauteten wie folgt:

  • Alle Patienten
    FODMAP-Responder: 71 % (155/218)
    Otiloniumbromid-Responder: 61% (133/217)
  • Rome-IV-Patienten
    FODMAP-Responder: 77 % (118/153)
    Otiloniumbromid-Responder: 62 % (98/158)

Die Unterschiede waren signifikant, die bessere Therapieansprache bei der FODMAP-Gruppe trat bereits nach vier Wochen ein und war unter den Rome-IV-Patienten ausgeprägter. Zudem war die Therapieadhärenz unter der Ernährungsintervention mit 94% deutliche höher als unter der Pharmakotherapie mit 73%. Während der Nachbeobachtungszeit blieb die hohe Responderrate unter FODMAP bestehen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der FODMAP-reduzierten Ernährungsweise in der Primärbehandlung. So dürfte sich der Versuch einer Ernährungsumstellung für Reizdarmpatienten lohnen und kann möglicherweise eine Medikation ersetzen oder zumindest reduzieren.

Quelle

Carbone F, Van den Houte K, Besard L, et al. Diet or medication in primary care patients with IBS: the DOMINO study – a randomised trial supported by the Belgian Health Care Knowledge Centre (KCE Trials Programme) and the Rome Foundation Research Institute. Gut. 2022 Apr 28:gutjnl-2021-325821. doi: 10.1136/gutjnl-2021-325821.