Wirksame und preisgünstige Therapie bei schwerer COVID-19

Bisher gab es keine Therapie der mittelschweren oder schweren COVID-19-Erkrankung, welche die Sterblichkeit der betroffenen Patienten reduzierte. Im Rahmen des RECOVERY-Programms wurde unter anderem der Einsatz von 6 mg Dexamethason im Vergleich zur üblichen Standardtherapie untersucht.

Wie wirkt Dexamethason bei COVID-19?

Dexamethason hat entzündungshemmende Eigenschaften und ist daher wahrscheinlich in der Lage, die überschießende Freisetzung von Interleukinen im Rahmen der Immunreaktion auf eine SARS-CoV-2-Infektion zu dämpfen.

Große britische Studie

Im März 2020 wurde das Programm RECOVERY (Randomised Evaluation of COVid-19 thERapY) als randomisierte klinische Studie im Vereinigten Königreich eingerichtet, um eine Reihe potenzieller Behandlungen für COVID-19 zu testen, darunter niedrig dosiertes Dexamethason. Mehr als 11.500 Patienten aus über 175 NHS-Krankenhäusern in Großbritannien nahmen die Koordinatoren dafür in das Studienprogramm auf.

Am 8. Juni 2020 stoppte das Leitungsgremium der Studie die Rekrutierung für den Dexamethason-Arm, da nach seiner Ansicht genügend Patienten vorhanden waren, um festzustellen, ob Dexamethason einen signifikanten Nutzen hat.

Wirksamkeit bei beatmeten Patienten am höchsten

Insgesamt wurden 2104 Patienten randomisiert. Sie erhielten für zehn Tage einmal täglich Dexamethason in einer Dosis von 6 mg entweder oral oder als intravenöse Injektion. Die Ergebnisse wurden mit denen von 4321 Patienten verglichen, die randomisiert nur die übliche Standardtherapie erhielten. Unter den Patienten, die nur die übliche Versorgung erhielten, war die 28-Tage-Mortalität am höchsten bei den Patienten, die die Ärzte intubieren und beatmen mussten. Denn in dieser Patientengruppe betrug die Mortalität 41%. Bei Patienten, die Sauerstoff benötigten, betrug die Sterblichkeit 25%, bei den Patienten, die keine respiratorische Unterstützung benötigten, 13%.

  • Dexamethason reduzierte die Todesfälle bei beatmeten Patienten um ein Drittel mit einer Rate Ratio (RR) von 0,65 (95% Konfidenzintervall [KI] 0,48–0,88; p=0,0003) und um ein Fünftel bei den Patienten, die nur Sauerstoff benötigten (RR 0,80; 95%-KI 0,67–0,96; p=0,0021).
  • Bei den Patienten, die keine Atemunterstützung benötigten, gab es keinen Nutzen von Dexamethason (RR 1,22; 95%-KI 0,86–1,75; p=0,14).

Insgesamt reduzierte Dexamethason die 28-Tage-Mortalitätsrate um 17% (RR 0,83; 95%-KI 0,74–0,92; p=0,0007).

Bei über 94% der Studienteilnehmer liegen komplette Datensätze vor.

Basierend auf diesen Ergebnissen würde durch Dexamethason ein Todesfall durch die Behandlung von 8 beatmeten Patienten verhindert werden; oder durch die Behandlung von 25 Patienten, die nur Sauerstoff benötigen.

Kommentar

Die Ergebnisse der Studie aus Großbritannien sind spektakulär und als erster Durchbruch in der Therapie schwerer SARS-CoV-2-Infektionen zu betrachten. Einschränkend muss angemerkt werden, dass die Daten bisher nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift mit Peer-Review System publiziert wurden.

Quelle

Pressemitteilung der Universität Oxford am 16. Juni 2020, 14:00

Autor

Foto Prof. Diener
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener. Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE).