Haematologie

Gentherapie als Option bei β-Thalassämie

Nach einer Gentherapie benötigten β-Thalassämie-Patienten wesentlich weniger Bluttransfusionen oder konnten sogar gänzlich darauf verzichten. Das ergaben zwei klinische Studien mit 22 Patienten. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnte die Gentherapie eine Alternative zur Stammzelltransplantation sein.

Patienten mit β-Thalassämie sind in schweren Fällen lebenslänglich auf Bluttransfusionen angewiesen. Bei der in Deutschland seltenen Erberkrankung ist aufgrund eines defekten HBB-Gens die Synthese der β-Globinkette des Hämoglobins je nach Genotyp reduziert oder fehlt komplett. Die einzige kurative Therapie – die Transplantation von hämatopoetischen Stammzellen – ist meist nicht möglich, weil geeignete Spender selten sind. Wie die Ergebnisse zweier Studien zeigen, könnte die Gentherapie mit LentiGlobin BB305 eine weitere Behandlungsoption bei β-Thalassämie sein.

Viren korrigieren Gendefekte

Bei der Gentherapie werden genetische Informationen in Form von Nucleinsäuren mittels eines Vektors in die Zielzellen eingebracht, um so beispielsweise defekte Gene zu ersetzen. Im Fall der β-Thalassämie wird das Gen für intaktes Hämoglobin in hämatopoetische Stammzellen übertragen. Als Vektoren kommen unter anderem Viren in Frage. Die bei LentiGlobin BB305 verwendeten Lentiviren besitzen die Eigenschaft, genetische Informationen auch in nicht-teilungsaktive Zellen zu integrieren. Die Gentherapie der β-Thalassämie fand in beiden Studien ex vivo statt: Hämatopoetische Stammzellen wurden den Patienten entnommen und mit LentiGlobin BB305 behandelt. Nach einer myeloablativen Therapie der Patienten wurden die modifizierten Zellen wieder transfundiert.

Insgesamt wurden 22 Patienten behandelt und über einen mittleren Zeitraum von 26 Monaten nach der Infusion beobachtet. Von den 13 Patienten mit eingeschränkter eigener Globinsynthese benötigten alle bis auf einen in der Nachbeobachtungszeit keine weiteren Bluttransfusionen. Bei den 9 Patienten, die kaum bis keine eigene Globinsynthese aufwiesen, konnte das Volumen der Bluttransfusion um 73% reduziert werden, bei drei Patienten konnte ebenfalls die Transfusionen gestoppt werden. Die aufgetretenen schweren Nebenwirkungen konnten auf die myeloablative Therapie zurückgeführt werden.

Genotyp scheint Einfluss auf Therapieerfolg zu haben

Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Gentherapie von Patienten mit transfusionsabhängiger β-Thalassämie sicher und wirksam ist. Allerdings müssen die Ergebnisse in weiteren Studien verifiziert werden. Auffällig war, dass mehr Patienten mit eingeschränkter Globinsynthese transfusionsfrei waren. Allerdings ließ das Studiendesign, keine Überprüfung zu, ob der Genotyp mit dem Behandlungserfolg zusammenhängt.

 

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