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Neurodermitis und frühes kardiovaskuläres Risko bei Kindern

Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) bringt möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz mit sich. Lässt sich dieser Zusammenhang bereits im Kindesalter nachweisen?

Über 4 Millionen Patienten in Deutschland

Die atopische Dermatits hat in Deutschland  eine Jahresprävalenz von etwa 10% bei Kindern und Jugendlichen sowie 1,7% bei Erwachsenen. Somit sind hierzulande jährlich etwa 1,2 Millionen Erwachsene und 1,3 Millionen Kinder  betroffen.

Einige Studien deuten darauf hin, dass die Erkrankung an sich und insbesondere schwere Formen mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz verbunden ist. Andere Studien haben einen Zusammenhang zwischen atopischer Dermatitis und Markern für kardiovaskuläre Risiken im Blut gefunden. Diese Assoziationen sind nicht in allen Studien nachweisbar. Empfehlungen oder gar Leitlinien für ein Screening von Neurodermitis-Patienten auf kardiovaskuläre Risikofaktoren gibt es bislang nicht.

Das gleiche gilt für Kinder: So gibt es auch hier Daten, dass Kinder mit atopischer Dermatitis möglicherweise höhere Raten kardiovaskulärer Risikofaktoren haben. Diese Studien haben meist jedoch keine hohe Qualität und die Schwere der Erkrankung wurde häufig nicht berücksichtigt.

In einer aktuellen Studie sollte daher untersucht werden, ob aktive und schwerere Formen der Neurodermitis während der Kindheit und Jugend mit einem kardiovaskulären Risiko assoziiert sind.

Britische Studie mit über 9000 Kindern

In die Kohortenstudie flossen Daten ein, die von 1991 bis 2017 im Vereinigten Königreich erhoben wurden. Während der Studiendauer wurden immer wieder Aktivität und Schwere der Erkrankung während der Kindheit und Jugend bewertet.

Der primäre Endpunkt waren kardiometabolische Risikoscores, die im Alter von 15, 17 und 24 Jahren erfasst bzw. berechnet wurden. Zu den sekundären Endpunkten zählten Body-Mass-Index, Blutdruck und Lipidprofile (bis zu 12-mal zwischen dem 3. und 24. Lebensjahr gemessen). Überdies wurde im Alter von 17 und 24 Jahren eine Ultraschalluntersuchung zum Erfassen einer subklinischen Atherosklerose durchgeführt.

Insgesamt lagen Daten von 9281 Patienten vor, von denen jeweils ein Teil in die Analysen zu einem bestimmten Alter einflossen (1001 Teilnehmer mit 3 Jahren, 908 mit 4 Jahren, 838 mit 5 Jahren, 6352 mit 7 Jahren, 6205 mit 10 Jahren, 5629 mit 11 Jahren, 4968 mit 13 Jahren, 3502 mit 15 Jahren, 4738 mit 17 Jahren, 3626 mit 24 Jahren). Der Anteil mit mittelschwerer oder schwerer Erkrankung lag in allen Altersgruppen bei rund 3,5 bis knapp 7%.

Kein Zusammenhang nachweisbar

In der Studie mit Nachbeobachtung bis in junge Erwachsenenalter ließ sich kein Zusammenhang zwischen einer aktiven Neurodermitis und den meisten kardiovaskulären Risikofaktoren nachweisen. Signifikant war dieser nur mit dem LDL-Cholesterinwert in zwei Altersgruppen, allerdings einmal positiv und einmal negativ (mittlere Differenz −0,33 bei 3-Jährigen und 0,14 bei 10-Jährigen). Die Schwere der Erkrankung spielte keine Rolle und es gab keine Assoziation zwischen einer zwischen dem Verlauf einer aktiveren und schwereren Erkrankung während der Kindheit und einer subklinischen Atherosklerose.

Die Autoren resümieren daher, dass ein systematisches Screening aller Kinder mit Neurodermitis wahrscheinlich ungeeignet ist, um frühzeitig ein kardiovaskuläres Risiko aufzudecken.

Quelle

Ye M, et al. Atopic Dermatitis and Markers of Early Cardiovascular Risk in Children and Adolescents. JAMA Network Open. 2026;9(3):e262962. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.2962

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