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Vorsicht bei Calciumsupplementen für Herz-Kreislauf-Patienten

Sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung lieber auf Calciumpräparate verzichten? Hinweise für ein erhöhtes Rezidivrisiko gibt es schon länger, nun liefert eine Studie neue Anhaltspunkte.

Insgesamt schlechte Versorgung

Laut Nationaler Verzehrsstudie II (pdf) erreichen in Deutschland 46% der Männer und 55% der Frauen die empfohlene tägliche Calciumzufuhr nicht. Das trifft vor allem auf weibliche Jugendliche (74%) und ältere Männer (61%) und Frauen (65%) zu. Calciumpräparate sollen eine unzureichende Aufnahme über Nahrungsmittel ergänzen und die Knochengesundheit unterstützen. Laut einer repräsentativen Studie (pdf) der Leibniz Universität Hannover und der Gesellschaft für Konsumforschung greifen rund 37 % der Verwender von Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland zu Calciumpräparaten.

Studie: Mehr neue Ereignisse mit Calcium

Patienten mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung haben grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für (erneute) kardiovaskuläre Ereignisse. Verschiedene Metaanalysen lieferten zudem Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall in Verbindung mit der Einnahme von Calciumpräparaten.

In einer retrospektiven Kohortenstudie aus Hongkong wurden Personen ab 40 Jahren untersucht, bei denen eine neue Diagnose für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie ein akuter Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder eine koronare Herzkrankheit vorlag. 31.934 Patienten wurde eine Calciumsupplementation verordnet, eine Gruppe mit 71.349 Teilnehmern ohne Calciumeinnahme bildete die Kontrollgruppe.

Die Supplementierung war mit einem signifikant erhöhten Risiko für ein erneutes Auftreten von Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden (Hazard-Ratio [HR] 1,10; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,07–1,14). Auch kardiovaskulär bedingte Hospitalisierungen und Notaufnahmen traten häufiger auf (HR 1,16; 95%-KI 1,13–1,20).

Besser mit Vitamin D

Es zeigten sich Unterschiede in der Art der Ergänzungsmittel. Die Gabe von Calcium-Monopräparaten führte zu einem höheren Rezidivrisiko als von einer Calcium-Vitamin-D-Kombination (HR 1,21; 95%-KI 1,17–1,25 versus HR 0,97; 95%-KI 0,93–1,01). Zudem war der Effekt bei Männern ausgeprägter als bei Frauen (HR 1,15; 95%-KI 1,09–1,20 versus HR 1,07; 95%-KI 1,03–1,11).

Die Studienergebnisse zeigten eine Assoziation zwischen einer Calciumsupplementierung und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Rezidive bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Autoren raten daher zur Vorsicht bei der Einnahme und Verordnung solcher Produkte. Insbesondere bei Monopräparaten und bei Männern scheint es ein erhöhtes Risiko zu geben. Kombipräparate mit Calcium und Vitamin D sind eventuell eine bessere Alternative.

Quelle

Zhang X, et al. Association Between Calcium Supplementation and Recurrence of Cardiovascular Events in Patients With Cardiovascular Disease: A Population‐Based Cohort Study. J Am Heart Assoc. 2026; 15(8): e047455. Doi: 10.1161/JAHA.125.047455.

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