Kinder erhalten bei Infektionen der unteren Atemwege häufig Antibiotika. Dabei sind diese häufig viral bedingt mit RSV als Hauptursache. Möglicherweise können entsprechende Schnelltests den Antibiotikaverbrauch senken.
RSV als Hauptursache bei Atemwegsinfekten
Nach Einführung der Prophylaxe mit Nirsevimab sank die Inzidenz von RSV-Infektionen bei Säuglingen um etwa die Hälfte. Dennoch ist RSV weiterhin eine der Hauptursachen für Infektionen der unteren Atemwege bei Kindern – Bronchiolitis bei Säuglingen und Lungenentzündung bei älteren Kindern.
RSV wird bei 50% bis 80% der Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren nachgewiesen, die mit Bronchiolitis stationär behandelt werden (höchste Raten bei Säuglingen bis 12 Monate). Bei Kindern über 12 Monaten, die wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus sind, wird RSV bei etwa 40 % der Betroffenen entdeckt.
Zu häufig Antibiotika bei viralen Infekten
Trotz etablierter Leitlinien und laufender Bemühungen um einen rationalen Antibiotikaeinsatz werden Antibiotika weiterhin häufig bei Infektionen der unteren Atemwege wie Bronchiolitis und interstitieller Pneumonie verschrieben.
Im ambulanten Bereich, wo meist Kinder mit leichterem Erkrankungsverlauf in die Praxen kommen und Testmöglichkeiten weitgehend fehlen, bleibt die Infektion oft unentdeckt. Bei schwereren Symptomen greifen Ärzte insbesondere bei jüngeren Kindern – möglicherwiese wegen eingeschränktem Zugang zu diagnostischen Tests – häufig zu Antibiotika.
Studien aus verschiedenen Ländern zeigen das Ausmaß des Problems. Eine amerikanische Datenbank-Auswertung zeigte beispielsweise, dass Antibiotika in fast 60% der ambulanten Behandlungen von Bronchiolitis und Bronchitis verschrieben wurden (40% in pädiatrischen Notaufnahmen). In Finnland erhielten gut 70% der ambulant behandelten Säuglinge mit RSV-Infektion ein Antibiotikum.
In einer italienischen Studie wurde nun untersucht, ob RSV-Schnelltests in Kinderarztpraxen dazu beitragen können, die Zahl der Antibiotika-Verordnungen bei RSV im ambulanten Sektor zu senken.
Seltener Antibiotika nach Schnelltest
In die retrospektiven Kohortenstudie wurden 256 Kinder im Alter von 9 bis 36 Monaten mit Infektionen der unteren Atemwege eingeschlossen, bei denen auf RSV getestet wurde. Verglichen wurden diese Kinder untereinander (positiver vs. negativer Test) sowie mit zwei ungetesteten Kohorten aus der gleichen (2023/2024) und der vorherigen RSV-Saison (2022/2023).
Von den 256 Kindern waren 79 (31%) RSV-positiv und 177 (69%) RSV-negativ. Zwar erhielten immer noch Kinder mit positivem RSV-Test ein Antibiotikum (16; 20%), jedoch deutlich weniger als bei RSV-negativem Test (70; 40%). Der Nachweis von RSV war mit einer Verringerung des Risikos verbunden, innerhalb von 14 Tagen mindestens ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen (relatives Risiko [RR] 0,52) (Szenario 1).
Für die weiteren Konstellationen ergaben sich folgende Ergebnisse:
- Die getestete Kohorte erhielt unabhängig vom Ergebnis seltener ein Antibiotikum als die klinisch diagnostizierten Gruppen (RR 0,61 im Vergleich zur Gruppe von 2023/2024 und RR 0,54 gegenüber der Gruppe von 2022/2023) (Szenario 2).
- Für die RSV-positiv getesteten Kinder war das Risiko für eine Antibiotikaverordnung im Vergleich mit den klinisch diagnostizierten Gruppen noch niedriger (Szenario 3).
- Bei Kindern unter 24 Monaten mit einer Bronchiolitis-Diagnose (getestete Gruppe und RSV-bestätigte Infektion) war zwar auch ein Trend zu erkennen, dass diese Kinder seltener Antibiotika erhielten als bei klinisch festgestellter Bronchiolitis. Allerdings war der Unterschied nur im Vergleich mit der Kohorte von 2022/2023 signifikant (Szenario 4 und 5).
Schnelltest mit Potenzial
Eine Schwäche der Studie ist, dass die Krankheitsschwere nicht berücksichtigt wurde, die das Verschreibungsverhalten jedoch beeinflussen kann. Zudem war die Teilnehmerzahl relativ gering.
Die Studie unterstreiche jedoch das Potenzial von RSV-Schnelltests, unangemessene Antibiotikaverschreibungen bei Infektionen der unteren Atemwege im ambulanten Bereich zu reduzieren. Es seien jedoch weitere groß angelegte Studien erforderlich, um die Ergebnisse und ihre Übertragbarkeit zu bestätigen.
Quelle
Boracchini R, et al. RSV Detection and Antibiotic Prescribing Decisions for Pediatric Respiratory Tract Infections. JAMA Network Open. 2026;9(3):e260409. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.0409.
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