Die Tejocote-Wurzel (Crataegus mexicana) ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass pflanzliche Mittel nicht grundsätzlich harmlos sind. Langfristige Anwendung sowie verunreinigte Produkte führten unlängst vermehrt zu schweren Gesundheitsproblemen. Grund genug für offizielle Warnungen.
Bei Verstopfung und zur Gewichtsabnahme
Als Abführ- und Diätmittel erlebt die Tejocote-Wurzel derzeit einen Aufschwung. Gleichzeitig steigt durch die Anwendung von Präparaten aus dieser Weißdorn-Art die Anzahl der Fälle unerwünschter Ereignisse. Das liegt auch daran, dass die Produkte nicht selten mit Gelbem Oleander verunreinigt sind.
Digoxin-ähnliche Wirkung
Abgesehen davon, dass für die versprochenen Verbesserungen der Darmfunktion klinische Belege fehlen, bestehen gesundheitliche Risiken, insbesondere beim längeren Gebrauch. Mehrere Fallberichte beschreiben bei den Anwendern Symptome, die einer Digitalis-Intoxikation ähneln: Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Taubheitsgefühle am ganzen Körper, Bradykardie und andere Herzrhythmusstörungen.
Die kardiotoxischen Eigenschaften von Tejocote beinhalten eine Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase-Aktivität, gefolgt von erhöhten intrazellulären Calciumspiegeln. Dadurch erhöht sich die Kontraktilität der Kardiomyozyten; Herzrhythmusstörungen sind potenzielle Folgen. Tejocote kann außerdem durch Stickstoffmonoxid-vermittelte Mechanismen eine Endothelrelaxation verursachen, was die kardiovaskuläre Toxizität verstärkt.
Die Toxizität von Gelbem Oleander aufgrund verschiedener Herzglykoside ist bekannt. Eine kombinierte Vergiftung beider Substanzen kann daher besonders schwere Magen-Darm-Beschwerden und hohe Kardiotoxizität verursachen.
Warnung vor Nahrungsergänzungsmitteln
Die grundsätzliche Problematik von Nahrungsergänzungsmitteln besteht darin, dass sie rechtlich als Lebensmittel gelten und für sie keine Zulassungspflicht besteht. Sie dürfen also ohne behördliche Prüfung von Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit verkauft werden. Laut Verbraucherzentrale gibt es vor allem bei der Kennzeichnung reichlich Defizite, fast jede zweite Probe wird von den Kontrollbehörden beanstandet.
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) gab eine Warnung vor mehreren Nahrungsergänzungsmitteln mit Tejocote-Wurzel heraus. Auch die Verbraucherzentrale greift diese Hinweise in ihren aktuellen Informationen auf.
Quellen
Ashley Riley, Deepti K. Tantry, Allison W. Peng, et al. Digoxin-Like Toxicity After Tejocote Root and Yellow Oleander Ingestion: The Hidden Dangers of Herbal Supplements. AIM Clinical Cases.2026;5:e250995. [Epub 7 April 2026]. doi:10.7326/aimcc.2025.0995.
Verbraucherzentrale. Achtung beim Kauf: Verbraucherwarnungen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Stand: 27.04.2026. (Zugriff am 30.04.2026).
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