Inhalativa und Klimabewusstsein – das geht?

Eine erhebliche Menge an Treibhausemissionen sind auf Dosieraerosole zurückzuführen. Eine klimabewusste Verordnung von Inhalativa kann aber den CO2-Fußabdruck des Gesundheitswesens reduzieren.

Klimabewusst dank Leitlinie

Inhalativa bilden eine bedeutsame Gruppe an Therapeutika, denn die Prävalenz chronischer Atemwegserkrankungen steigt. Die S2k-Leitlinie „Klimabewusste Verordnung von Inhalativa“ soll konkrete Hilfestellungen geben, um den CO2-Fußabdruck des Gesundheitswesens zu reduzieren, denn die verschiedenen Inhalativa wirken unterschiedlich auf den Klimawandel ein. Fluorchlorkohlenwasserstoffe wurden als Treibmittel weitgehend verboten aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Ozonschicht, aber auch die heute eingesetzten Flurane zählen als starke Treibhausgase. Pulverinhalatoren (DPI) dagegen kommen ohne Treibmittel aus, benötigen aber einen kräftigen Atemzug.

Die Leitlinie richtet sich an die verschiedenen Gesundheitsfachberufe, darunter Ärzte und Apotheker, und umfasst einige Empfehlungen mit starkem Konsens. Beispielsweise soll bei Patienten ab 12 Jahren eine klimabewusste inhalative Therapie erfolgen. Bei Asthma-Patienten mit entsprechender Kompetenz wird empfohlen, die Umstellung auf ein klimafreundliches DPI-Präparat zu prüfen. Empfohlen sind Dosieraerosole mit Zählwerk, da sie dabei helfen, das Präparat vollständig aufzubrauchen und so unnötigen Abfall und einen unnötig hohen CO2-Abdruck zu vermeiden. Außerdem soll für die Entsorgung von Druckgaspatronen ein wirksames Entsorgungskonzept etabliert werden.

Ökologische Nachhaltigkeit bleibt essenziell

Der Lebenszyklus von Arzneimitteln und Medizinprodukten endet nicht mit der Anwendung. Auch die Entsorgung und der Umweltabbau sind wichtige Elemente im Hinblick auf die ökologische Nachhaltigkeit. Pro Krankenhauspatient entstehen täglich etwa 6 kg Müll. Dazu kommt, dass 5,2% der deutschen CO2-Emissionen auf das Gesundheitssystem zurückzuführen sind. Dorothea Baltruks, Leiterin des Centre for Planetary Health Policy (CPHP), beschreibt als transformative Zielstellungen aus der Perspektive des Gesundheitswesens die Minimierung des Bedarfs an (stationärer) medizinischer Versorgung, der Über-, Unter- und Fehlversorgung und des ökologischen Fußabdrucks medizinischer Versorgung.

Dr. med. Malek Chaabouni, Pneumologie und Thoraxonkologie, Asklepios Klinik Altona, veranschaulichte den Einfluss der Inhalatoren. Denn würden alle ambulanten Lungenfachärzte in Deutschland 75% DPI verschreiben, könnten die CO2-Emissionen um 46.600 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr reduziert werden, so der Referent.

Quelle

Klinisches Symposium „Vom Rezept zur Ressource: Nachhaltigkeit als Zukunftsaufgabe der Pneumologie“ im Rahmen des 66. Kongress der DGP am 21. März 2026 in München (hybrid).

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