Beim Schichtarbeiter-Syndrom kommt es durch die Störung des zirkadianen Rhythmus zu Symptomen wie Tagesschläfrigkeit, die das berufliche und private Leben stark beeinträchtigen können. In einer kleinen Studie wurde die Wirksamkeit von Solriamfetol zur Senkung der Symptomatik untersucht.
Schichtarbeiter-Syndrom behandeln
Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Schlafstörungen – die Symptome des Schichtarbeiter-Syndroms beeinträchtigen den Alltag erheblich und können mitunter gefährlich sein, wenn es beispielsweise zu Sekundenschlaf im Straßenverkehr kommt. In einer randomisierten, doppelblinden Studie wurde Solriamfetol zur Therapie von Tagesschläfrigkeit bei Frühschichtarbeitern untersucht. Der selektive Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer ist in der EU bereits seit 2020 zur Behandlung der übermäßigen Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie oder obstruktiver Schlafapnoe zugelassen.
78 Frühschichtarbeiter untersucht
In die Studie wurden 78 Frühschichtarbeiter mit übermäßiger Schläfrigkeit in Zusammenhang mit dem Schichtarbeiter-Syndrom (shift work disorder [SWD]) eingeschlossen. Die Patienten waren zwischen 18 und 64 Jahren alt und mussten wöchentlich mindestens 20 Stunden arbeiten, mit einer Schichtdauer von 6 bis 12 Stunden. An mindestens drei Tagen pro Woche musste die Schicht zwischen 3 und 7 Uhr morgens beginnen. Die Patienten wurden für vier Wochen entweder mit Solriamfetol (n=40) oder Placebo (n=38) behandelt. Solriamfetol wurde in den ersten drei Tagen in einer Dosierung von 75 mg täglich gegeben, bevor die Dosis für den Rest des Behandlungszeitraums auf 150 mg gesteigert wurde. Die Medikation wurde innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen an Arbeitstagen eingenommen.
Nach vier Wochen Behandlung waren die Patienten unter Solriamfetol signifikant weniger schläfrig als unter Placebo. Primärer Endpunkt war die mittlere Einschlafzeit gegenüber Placebo im Maintenance of Wakefulness Test (MWT). Dabei wurde gemessen, wie lange die Frühschichtarbeiter in einem dunklen, leisen Raum wach bleiben konnten und zwar zu der Zeit, zu der sie normalerweise arbeiten gingen. In der Verum-Gruppe konnte eine Steigerung von 9,8 auf 22,4 Minuten erreicht werden, in der Placebo-Gruppe war eine geringe Steigerung von 9,8 auf 13,0 Minuten messbar. 29% der Patienten in der Solriamfetol-Gruppe konnten nach der Behandlung mindestens 30 Minuten wach bleiben. Darüber hinaus verbesserte sich die subjektive Schläfrigkeit der Patienten unter Solriamfetol. Sowohl die Patienten als auch die untersuchenden Ärzte gaben außerdem einen verbesserten klinischen Zustand des Patienten an, gemessen anhand des Clinical bzw. Patient Global Impression of Change questionnaires.
55% der Patienten in der Solriamfetol- und 63% in der Placebo-Gruppe berichteten von Nebenwirkungen. Am häufigsten kam es zu Kopfschmerzen und Übelkeit.
Weniger Schläfrigkeit, höhere Produktivität
Insgesamt konnte unter Solriamfetol eine signifikante Verbesserung der Schläfrigkeit verglichen mit Placebo beobachtet werden. Dabei hielt die Wirksamkeit der Behandlung über den gesamten Zeitraum von acht Stunden und damit über einen gesamten Arbeitstag an. Hinweise auf einen Rückgang der Schlafdauer oder einen Anstieg des Schlafstörungsindexes unter der Medikation gab es nicht. Darüber hinaus fühlten sich die Patienten weniger schläfrig und gaben eine Verbesserung der alltäglichen Aktivitäten und der Arbeitsproduktivität an.
Quelle
Zitting KM, Gilmore KR, Lockyer BJ, et al. Solriamfetol for Excessive Sleepiness in Early-Morning Shift Work Disorder. NEJM Evid. 2026;5(2):EVIDoa2500190. doi:10.1056/EVIDoa2500190.
Bildquelle
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