GLP-1-Rezeptoragonisten bei Kindern und Jugendlichen

Auch bei Kindern und Jugendlichen steigt die Zahl der (übergewichtigen) Typ-2-Diabetiker. GLP-1-Rezeptoragonisten können eine wirksame Behandlungsoption für sie sein.

Hoher therapeutischer Bedarf

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig oder adipös. 2050 wird voraussichtlich ein Drittel dieser Altersgruppe weltweit betroffen sein. Damit einhergehend ist ein Anstieg bei den Typ-2-Diabetes-Fällen zu verzeichnen und auch das Risiko für Begleiterkrankungen wie Lebererkrankungen, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen ist erhöht. Dementsprechend ist eine frühzeitige Intervention bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes von entscheidender Bedeutung.

Trotz des großen therapeutischen Bedarfs standen für mehrere Jahrzehnte nur Metformin und Insulin für diese Patientengruppe zur Verfügung. In den letzten Jahren erfolgte dann die Zulassung verschiedener GLP-1-Rezeptoragonisten (z. B. Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid). In einem aktuellen Review mit Metaanalyse wurden die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Wirkstoffe bei Kindern und Jugendlichen untersucht.

GLP-1-Rezeptoragonisten effektiv bei Kindern

Es wurden 18 Studien mit 1402 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen eingeschlossen. 838 erhielten GLP-1-Rezeptoragonisten, 564 Placebo. Knapp 60% waren Mädchen, das Durchschnittsalter betrug 13,7 Jahre. In elf Studien erfolgte die Behandlung wegen Adipositas, in sechs wegen Typ-2-Diabetes und in einer bei Prädiabetes. Die durchschnittliche Behandlungsdauer lag allerdings erst bei ungefähr einem halben Jahr.

Unter der Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten sanken Körpergewicht (−3,02 kg), BMI (−1,45), BMI-SDS (−0,20), BMI-Perzentil (−7,24 %) und systolischer Blutdruck signifikant. Der HbA1c-Wert (−0,44 %) und Nüchternblutzucker (−9,92 mg/dl) sanken ebenfalls, signifikant jedoch nur in den Studien mit Typ-2-Diabetikern.

Die Patienten unter GLP-1-Rezeptoragonisten hatten häufiger gastrointestinale Nebenwirkungen. Bei allen anderen unerwünschten Ereignissen einschließlich Suizidgedanken oder -verhalten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Zwischenzeitlich stand der Verdacht im Raum, dass GLP-1-Rezeptoragonisten das Suizidrisiko erhöhen. Bei Erwachsenen hat sich dies allerdings nicht bestätigt. Möglicherweise haben sie sogar einen positiven Einfluss auf das Depressionsrisiko.

Längeres Follow-up für mehr Aussagekraft

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass gerade die Endpunkte wie Suizidgedanken oder -verhalten sowie Depressionen in den eingeschlossenen Studien keine primären Endpunkte waren, was möglicherweise zu Untererfassung bzw. unklarer Klassifikation geführt hat. Darüber hinaus ist die Generalisierbarkeit der Ergebnisse zum Therapieerfolg eingeschränkt, da die Studiendesigns sehr heterogen waren und die Art der Datenanalyse die Kontrolle von Störfaktoren nicht immer möglich machte. Hinsichtlich des BMI könnten die Einschätzung der Wirksamkeit der GLP-1-Rezeptoragonoisten verzerrt sein, da in den meisten Studien begleitende Lebensstilinterventionen zu Studienbeginn oder während der Studie berichtetet wurden.

Insgesamt biete die vorliegende Arbeit aber eine umfassende Bewertung des Nutzens und der Risiken von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Kindern und Jugendlichen, so die Autoren. Sie ermögliche, fundiertere Behandlungsentscheidungen zu treffen. Zukünftig sollten klinische Studien und Real-World-Daten die Therapietreue unter Berücksichtigung der Patientenpräferenzen sowie deren Auswirkungen auf die Sicherheit und die Wirksamkeit untersuchen. Darüber hinaus ist eine längere Nachbeobachtungszeit unerlässlich, um die Langzeitwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten bei Kindern und Jugendlichen zu ermitteln.

Quelle

Kotecha P, et al. Efficacy and Safety of GLP-1 RAs in Children and Adolescents With Obesity or Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Pediatr 2025;179(12):1308-1317. doi: 10.1001/jamapediatrics.2025.3243.

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