Psilocybin zur Raucherentwöhnung

In einer kleinen Studie waren Raucher nach einer Behandlung mit Psilocybin länger abstinent als nach dem Gebrauch von Nikotinpflastern.

Langfristig wirksame Therapie gesucht

In Deutschland sterben jährlich knapp 130.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Weltweit sind es rund 8 Millionen und damit mehr als durch andere Suchtmittel.

Viele Raucher würden gerne aufhören, die meisten Maßnahmen zur Raucherentwöhnung erzielen jedoch nur mäßigen langfristigen Erfolg. Verfügbare Behandlungen wie Vareniclin, Bupropion, Nikotinersatztherapie und Beratung sind zwar wirksamer als Placebo, versagen aber typischerweise innerhalb von sechs Monaten. Dementsprechend braucht es neue Ansätze, die nachhaltiger wirken.

Klassische Serotonin-2A-Rezeptor-Agonisten (Psychedelika) zeigen erste vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen, einschließlich Suchterkrankungen. Einige ältere Studien lieferten vielversprechende Hinweise auf die Wirksamkeit von Lysergsäurediethylamid (LSD) bei der Behandlung von Alkohol- und Opioidabhängigkeit.

In einer kleinen Pilotstudie wurde nun Psilocybin zur Raucherentwöhnung getestet. Der Wirkstoff ist ein Partialagonist an Serotonin-Rezeptoren, vorrangig vom Typ 5-HT2A und hat auch bei einigen anderen Indikationen vielversprechende Studienergebnise erzielt. Es ist ursprünglich aus halluzinogenen Pilzen („Zauberpilze“ oder „Magic Mushrooms“) bekannt und hat vor allem in den 60er-Jahren als „Hippiedroge“ für manchen Rausch gesorgt.

Längere Abstinenz unter Psilocybin

An der kleinen Studie nahmen 82 psychiatrisch gesunde erwachsene Raucher teil, 68 schlossen die sechsmonatige Nachbeobachtung ab. Sie erhielten entweder eine hohe Dosis (30 mg/70 kg) Psilocybin oder eine 8- bis 10-wöchige Behandlung mit einem von der FDA zugelassenen Nikotinpflaster. Beide Gruppen bekamen zusätzlich eine kognitive Verhaltenstherapie.

Nach sechs Monaten waren 17 Teilnehmer der Psilocybin-Gruppe (40,5 %) anhaltend abstinent (biochemisch verifiziert), bei der Nikotinpflaster-Gruppe waren es nur 4 Teilnehmer (10,0 %). In einer Punktprävalenzanalyse sechs Monate nach Ende der Therapie waren mehr Teilnehmer der Psilocybin-Gruppe die letzten sieben Tage abstinent gewesen (22 [52,4 %] vs. 10 [25,0 %]). Es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf, die auf Psilocybin oder das Nikotinpflaster zurückzuführen waren.

Längere Abstinenz unter Psilocybin

Diese Ergebnisse liefern zusätzliche Hinweise auf die allgemeine Wirksamkeit von Psychedelika gegen verschiedene Suchtmittel, so die Autoren. Die fehlende direkte Interaktion von Psilocybin mit nikotinischen Acetylcholinrezeptoren (oder Rezeptoren, die die Wirkung anderer Suchtmittel vermitteln) unterstreiche die Einzigartigkeit der psychedelischen Therapie.

Zu den Limitationen der Studie zählt unter anderem die fehlende Verblindung, da eine bestimmte Erwartungshaltung zu positiven Ergebnissen beigetragen haben könnte. Zudem ist die Generalisierbarkeit der Stichprobe fraglich (wenige vertretene Ethnien, überdurchschnittlich gebildete Teilnehmer). Da beide Gruppen eine kognitive Verhaltenstherapie erhielten, konnte diese Studie keine Aussage über den Anteil am Erfolg oder die Notwendigkeit einer Psychotherapie treffen. Zukünftige Studien sollten dementsprechend die Rolle der Psychotherapie zusätzlich zur Psilocybin-Behandlung bei Suchterkrankungen evaluieren.

Darüber hinaus sei die Psilocybin-Behandlung relativ intensiv – zum Beispiel durch die aufwendigere Betreuung mit längeren Kontaktzeiten. Dies sei aber laut Autoren gerechtfertigt, da die aktuell meist genutzten leicht zugänglichen Behandlungen wie die rezeptfreie Nikotinersatztherapie oder mobile Gesundheitsinterventionen häufig nicht langfristig erfolgreich seien.

All diese Aspekte sollten in zukünftigen, möglichst verblindeten Studien weiter untersucht werden.

Quelle

Johnson MW, et al. Psilocybin or Nicotine Patch for Smoking Cessation. A Pilot Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open. 2026;9(3):e260972. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.0972.

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