Apotheken-Expertise verbessert Diabetesregime

Eine proaktive Diabetesberatung durch einen Apotheker führt laut einer Studie zu einem optimierten Medikationsregime und weniger Hypoglykämien bei Risikopatienten.

Therapiewahl beeinflusst Hypoglykämie-Risiko

Vergangene Studien konnten zeigen, dass eine weniger intensive Diabetestherapie bei hypoglykämieanfälligem Regime das Risiko für Hypoglykämien senken kann, ohne die glykämische Kontrolle zu beeinträchtigen. Das galt insbesondere bei einer Therapie mit Sulfonylharnstoff und Insulin.

Vor diesem Hintergrund erhielten im Rahmen einer randomisierten klinischen Studie 200 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eine proaktive, protokollorientierte Kontaktaufnahme durch einen Apotheker mit klinischer Diabetes-Expertise. Die Teilnehmer wurden aus einer Stichprobe mit 1204 Patienten, die als Hypoglykämie-Hochrisikopatienten galten, zufällig ausgewählt. Etwa die Hälfte der Probanden hatte in den letzten zwölf Monaten eine hypoglykämisch bedingte Notfallaufnahme oder stationäre Aufnahme erlebt. Die Beratung seitens des Apothekers bestand aus einem 45-minütigen Ersttelefonat und der Bewertung von Risikofaktoren, Medikation und glykämischen Daten.

Apotheker optimierten Medikation

Der Apotheker formulierte jeweils individuelle glykämische Ziele und optimierte die Medikation, riet etwa zum Absetzen von Sulfonylharnstoffen, von Bolus-Insulingaben oder der Verwendung von Mischinsulin. Zusätzlich fand eine Aufklärung zur Prävention und Behandlung einer Hypoglykämie statt. Bei Bedarf erfolgte zudem eine Vermittlung an weitere Anlaufstellen zur Gesundheitsaufklärung, Ernährung oder sozialen Diensten. Alle ein bis vier Wochen erfolgten 15- bis 30-minütige Folgeanrufe. Eine Kontrollgruppe erhielt die Standardversorgung nach Ermessen des Hausarztteams.

Vorteile durch persönliche Beratung

Nach sechs Monaten wiesen Patienten im Interventionsarm mit höherer Wahrscheinlichkeit ein sichereres Diabetesregime auf als die Kontrollgruppe (28,1 % versus 15,8 %). Ein weniger hypoglykämieanfälliges Diabetesregime wurde durch das Absetzen von Sulfonylharnstoff und/oder Bolusgaben oder Mischinsulin erreicht. Zudem landeten die apothekenbetreuten Patienten signifikant seltener wegen einer Hypoglykämie in der Notaufnahme oder auf Station.

Als sekundäre Endpunkte dienten Verordnungen von Glukagon als Notfallbehandlung bei Hypoglykämie, kontinuierliche Verschreibung eines Glukosemonitorings (CGM) sowie dokumentierte Hypoglykämien in der elektronischen Patientenakte und HbA1c-Werte unter 8 %.

Die beste Maßnahme: Abschied vom Bolus

Es zeigte sich, dass trotz des hohen Hypoglykämierisikos 74 % der Patienten in beiden Gruppen ursprünglich mindestens ein risikoreiches Arzneimittel erhielten. 24,1 % erhielten Sulfonylharnstoffe, 56,0 % Bolus-Insulin zu den Mahlzeiten und 6,3 % Mischinsuline.

Bemerkenswert ist, dass zu den Gründen für ein sichereres Diabetesregime zuerst das Absetzen von Bolus-Insulin zählte, gefolgt vom Absetzen eines Sulfonylharnstoffs und von Mischinsulin. Anfangs erhielten nur 3 bis 4 % der Patienten Glukagon; laut Studienautoren bietet sich hier eine relevante Möglichkeit für eine weitere Intervention.

Quelle

Gilliam LK, Parker MM, Chen MW, Karter AJ, Grant RW. Pharmacist Intervention for Safer Prescribing in Patients With Type 2 Diabetes at High Risk: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(2):e2559946. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.59946.

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