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Fortgeschrittene Krebserkrankung im Alter: Lebensqualität vor Lebenszeit

Bei fortgeschrittener Krebserkrankung im Alter hat nur knapp jeder zehnte Patient eine Lebenszeitverlängerung als Haupttherapieziel. Stattdessen soll die Lebensqualität im Fokus stehen, so die Ergebnisse einer aktuellen Analyse mit Erwachsenen ab 70 Jahren.

Patientenzentrierte Endpunkte häufig vernachlässigt

Patientenzentrierte Endpunkte wie die Lebensqualität bleiben in onkologischen Phase-III-Studien häufig unterbewertet oder werden gar nicht erst erhoben. In einer Analyse aus 2025 mit knapp 800 randomisierten-kontrollierten Studien wurde die Gesamtlebensqualität beispielsweise nur in 34% der Studien erfasst. Die Autoren einer aktuellen Studie untersuchten nun, welche Relevanz die Lebensqualität bei der Therapie fortgeschrittener Krebserkrankungen im Alter für den Patienten hat.

Lebensqualität bei 70% im Fokus

In der explorativen Sekundäranalyse der GAPT70+-Studie wurden Erwachsene ab 70 Jahren mit unheilbarem soliden Tumor oder Lymphom und einem oder mehr beeinträchtigen Bereichen im Geriatrischen Assessment (ausgenommen Polypharmazie) untersucht, die eine neue systemische Krebstherapie begannen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen unterteilt, abhängig davon, ob das primäre Therapieziel die Lebenszeitverlängerung oder Verbesserung der Lebensqualität sein sollte. Endpunkte der Analyse waren die Präferenzen der Patienten, Hospitalisierung, behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse und Überleben nach sechs Monaten bzw. einem Jahr.

Die 706 eingeschlossenen Patienten waren im Schnitt 77,2 Jahre alt. Die meisten litten unter gastrointestinalen Krebserkrankungen, gefolgt von Lungenkrebs und Krebs im Urogenitalbereich. Nur 59 Patienten (8,4%) bevorzugten eine lebenszeitverlängernde Therapie, während sich 506 Patienten (71,7%) eine Therapie mit Fokus auf Lebensqualitätsverbesserung wünschten. 141 Patienten (20,0%) hatten keine Präferenz. Dabei gab es keinen Zusammenhang zwischen bevorzugtem Therapieziel (Überleben vs. Lebensqualität) und Behandlungsmodifikationen oder klinischen Ereignissen:

  • Änderungen der Behandlung (Risk-Ratio [RR] 1,03; 95%-KI 0,84–1,27)
  • Behandlungsbezogene unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 bis 5 (Hazard-Ratio [HR] 0,84; 95%-KI 0,57–1,23)
  • Hospitalisierungen (HR 0,74; 95%-KI 0,39–1,41)
  • Überleben nach sechs Monaten (HR 0,72; 95%-KI 0,40–1,29)
  • Überleben nach einem Jahr (HR 1,18; 95%-KI 0,81–1,72)

Patientenwunsch stärker einbeziehen

Weniger als einer von zehn Patienten priorisierte eine Therapie mit dem Ziel der Lebenszeitverlängerung, schlussfolgern die Autoren. Das Therapieziel der Patienten stand dabei nicht im Zusammenhang mit späteren Behandlungsergebnissen – ein Hinweis darauf, dass das derzeitige onkologische Versorgungssystem nicht ausreichend auf den Patientenwunsch eingeht, so die Autoren.

Quelle

Richardson DR, Wang Y, Flannery M, et al. Outcomes of Older Adults With Advanced Cancer Who Prefer Quality of Life vs Prolonging Survival: A Secondary Analysis of the GAP70+ Cluster Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol. Published online March 5, 2026. doi:10.1001/jamaoncol.2026.0072.

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Foto: annamaria – stock.adobe