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Lebensstilfaktoren bei Morbus Parkinson immer wichtiger

Noch gibt es keine Medikamente, mit denen sich die Neurodegeneration bei der Parkinson-Krankheit stoppen lässt. Modifizierbare Lebensstilfaktoren sind daher umso wichtiger. Was jeder selbst tun kann, stellten Experten der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) e. V. zum heutigen Welt-Parkinson-Tag auf einer Pressekonferenz vor.

Neurodegenerative Hirnveränderungen beginnen still

Die neurodegenerativen Hirnveränderungen beginnen oft still und Jahrzehnte vor den ersten sichtbaren Symptomen. Daher sind bereits viele dopaminerge Neuronen zerstört, wenn die Diagnose gestellt wird. Weltweit arbeiten Forscher an Biomarkern zur Früherkennung und an Medikamenten, die die Neurodegeneration bremsen oder sogar stoppen. Bis solche protektiven Therapien verfügbar sind, sind regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und gesunder Schlaf die bisher einzigen und wichtigsten Strategien, das Risiko und den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen, betonte Prof. Dr. med. Brit Mollenhauer, Kassel.

Jeder kann selbst etwas tun

Es ist bekannt, dass Bewegung und Sport die Ausschüttung antientzündlicher Moleküle, sogenannter Myokine, fördert. Das Immunsystem wird gestärkt, die Neuroplastizität und Hirndurchblutung gefördert und der Abbau toxischer Proteine wie β-Amyloid und α-Synuclein unterstützt.

Sport ist fast besser als jedes Medikament.

Bei Menschen mit Parkinson oder mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung – einem frühen Symptom der Erkrankung – ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verändert. Sie haben oft eine geschwächte Darmbarriere („Leaky Gut“), wodurch Entzündungsstoffe leichter in die Blutbahn gelangen. Die mikrobielle Vielfalt im Darm lässt sich durch Bewegung sowie durch eine vollwertige und mediterrane Ernährung fördern. „Erste Beobachtungen zeigen zudem, dass Fastenkuren nach Buchinger bei einigen Betroffenen die motorischen Symptome wie den Tremor deutlich reduzieren können“, sagte Mollenhauer.

Gesunder Lebensstil mit präventivem Effekt

Erholsamer Schlaf ist ebenfalls für die neurobiologische Regeneration des Gehirns entscheidend. Viele Menschen, die später an Parkinson erkranken, entwickeln Jahre vor Ausbruch der Erkrankung eine Traumschlafstörung, bei der sie Träume im Schlaf intensiv ausleben. Diese REM-Schlafstörungen stehen im Zusammenhang mit α-Synuclein-Ablagerungen im Hirnstamm und gelten als frühes Warnsignal. Guter Schlaf mit ausreichenden Tiefschlafanteilen helfe hingegen, über das glymphatische System Proteinablagerungen im Gehirn abzubauen und Entzündungen zu reduzieren.

Prävention vor Behandlung: Medikamente mit Schutzwirkung

Dass viele klinische Studien mit neuroprotektiven Substanzen bei Patienten mit Parkinson-Krankheit scheitern, habe Mollenhauer zufolge verschiedene Gründe. Zum einen sei die Erkrankung molekular äußerst komplex und weise eine hohe Variabilität auf. Zum anderen fehle es an objektiven Biomarkern. Und: Die Diagnose komme zu spät.

2027 sollen im Rahmen des internationalen klinischen „Path-to-Prevention Platform Trial (P2P)“ in Deutschland erste Studien starten, in denen Medikamente schon vor Ausbruch der Krankheit an Risikopersonen getestet werden.

Ernährung, Bewegung und Schlaf ergänzen die wissenschaftlichen Fortschritte – und geben Betroffenen bereits heute wirksame Hebel in die Hand, um Parkinson durch einen bewussten Lebensstil vorzubeugen oder zu verlangsamen.

KI-Chatbot „jAImes“ als Begleiter für Parkinson-Patienten

Wie künstliche Intelligenz Patienten mit Parkinson helfen kann, zeigte Prof. Dr. med. Jens Volkmann, Würzburg, anhand des KI-gestützten Chatbot „jAImes“. Der Chatbot ist mit einer kuratierten Wissensdatenbank der Parkinson Stiftung verknüpft und soll Betroffene, Angehörige und Interessierte gezielt bei Fragen zu Parkinson unterstützen. Die Datenbank wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert, sodass ausschließlich geprüfte und evidenzbasierte Inhalte einfließen.

Quelle

Online-Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag (11. April 2026) und Deutschen Kongress für Parkinson und Bewegungsstörungen (16.–18. April 2026). „Parkinson: Neue Erkenntnisse, neue Hoffnung“, 25. März 2026

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