In modernen spätklinischen Studien der Onkologie stehen immer häufiger alternative Endpunkte im Fokus. Dadurch gehen patientenzentrierte Werte wie Gesamtüberleben und Lebensqualität teilweise unter, wie die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen.
Onkologika-Studien im Wandel
Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) der Phase III sind das Studiendesign der Wahl, wenn es um die Überlegenheit einer neuen Therapie im Vergleich zu Standard-of-Care geht. Für RCTs in der Onkologie wurde hierzu in der Vergangenheit meist das Gesamtüberleben der Patienten als primärer Endpunkt festgelegt. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie deuten jedoch einen Wandel innerhalb der letzten 20 Jahre an: Immer häufiger werden alternative Endpunkte wie das progressionsfreie Überleben als primärer Endpunkt definiert, seltener das Gesamtüberleben und die Lebensqualität, obwohl letztere für die Patienten oft eine größere Relevanz haben.
Alternative Endpunkte dominieren
Für die meta-epidemiologische Analyse wurde das Clinicaltrials.gov-Register genutzt, um eine allgemeine repräsentative Stichprobe an onkologischen RCTs zu erhalten. Eingeschlossen wurden interventionelle Phase-III-Überlegenheitsstudien mit zwei Gruppen. Insgesamt wurden 791 RCTs hinzugezogen, die zwischen 2002 und 2024 publiziert wurden. Dabei kamen die Autoren zu folgenden Ergebnissen:
- In 53 % der eingeschlossenen RCTs (420 von 791) wurde der primäre Endpunkt erreicht und damit eine Überlegenheit der neuen onkologischen Therapie nachgewiesen.
- In 28 % der RCTs (221 von 791) konnte ein verbessertes Gesamtüberleben der neuen Therapie gezeigt werden. 11 % der untersuchen RCTs machten keine Angaben zum Gesamtüberleben.
- In nur 11 % der RCTs (84 von 791) konnte eine verbesserte Gesamtlebensqualität gezeigt werden. In 4 % der Studien (n=28) war die Lebensqualität im Vergleich zur Kontrollgruppe verschlechtert. Dabei bleibt zu beachten, dass Ergebnisse zur Gesamtlebensqualität nur in 34 % der RCTs berichtet wurden.
Insgesamt konnte für 32 % der RCTs (257 von 791) entweder ein Vorteil im Gesamtüberleben oder eine Verbesserung der Gesamtlebensqualität nachgewiesen werden. Ein Vorteil für beide Endpunkte wurde in nur 6 % der Studien nachgewiesen.
Patientenrelevante Endpunkte fokussieren
Die Analyse zeigt: Obwohl mehr als die Hälfte der untersuchten RCTs der Phase III eine Überlegenheit nachwiesen, scheinen Vorteile im Gesamtüberleben mit 28 % deutlich seltener vorzuliegen. Auch eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten scheint in Studien oft nicht erfasst oder nicht gegeben zu sein. Die Studienautoren rufen daher dazu auf, den Schwerpunkt der klinischen Forschung in der Endphase wieder stärker auf patientenrelevante Endpunkte zu legen.
Quelle
Sherry AD, Miller AM, Parlapalli JP, et al. Overall Survival and Quality-of-Life Superiority in Modern Phase 3 Oncology Trials: A Meta-Epidemiological Analysis. JAMA Oncol. Published online June 1, 2025. doi:10.1001/jamaoncol.2025.1002.
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