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Gastroenterologische Prävention im Spannungsfeld

Der Magen-Darm-Trakt ist das größte zusammenhängende Organsystem im menschlichen Körper. Doch die Menschen ernähren sich immer schlechter. Auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) appellierte Prof. Dr. med. Birgit Terjung, Bonn, zu mehr Eigenverantwortung, aber auch zu mehr staatlicher Regulierung.

Darmgesundheit beginnt auf dem Teller

Es ist bekannt, dass Stoffwechselprodukte der verdauten Nahrungsmittel nicht nur lokal auf die Darmschleimhaut, sondern auch auf entfernt liegende Organsysteme wirken: Begriffe wie Darm-Hirn-, Darm-Herz- oder Darm-Leber-Achse stehen im Fokus zahlreicher Forschungen. Damit verbunden ist Terjung zufolge auch die Frage: Wie lassen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber oder neurodegenerative Erkrankungen durch die Ernährung beeinflussen oder gar verhindern?

Hin zur „mediterranen“ Ernährung …

Die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurden zuletzt 2024 aktualisiert:

  • ausgewogen, ballaststoffreich
  • hoher Anteil an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Samen, Saaten und Nüssen sowie Omega-3-Fettsäure-haltigen Ölen
  • wenig verarbeitete Kohlenhydrate
  • geringe Mengen an tierischen Produkten (z.B. 200 g Fleisch pro Woche)
  • moderate Mengen an Milchprodukten
  • idealerweise 2- bis 3-mal pro Woche fetter Fisch mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren
  • 1,5-2,0 l/Tag Wasser, Tee oder zuckerfreie Getränke

Mittlerweile hat die Empfehlung einer mediterranen Ernährung Eingang in verschiedene Leitlinienempfehlungen der Hepatogastroenterologie gefunden. Gerade der weitgehende oder vollständige Verzicht auf Fleischprodukte wirke sich präventiv auf die Entstehung von Entzündungen und Krebserkrankungen aus. Gut bekannt, so Terjung, sei hier der Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Verzehr von rotem Fleisch und erhöhtem Darmkrebsrisiko.

2020 mussten knapp 7 Milliarden Euro in Deutschland für die Behandlung von Krebserkrankungen der Verdauungsorgane ausgegeben werden.

Zu dieser fast 50%igen Steigerung seit 2015 habe auch ungesunde Ernährung einen Beitrag geleistet, betonte die Mediensprecherin der DGVS.

… weg von hochverarbeiteten Lebensmitteln

Ein Problem seien hochverarbeitete Lebensmittel, die rund die Hälfte der täglich zugeführten Kalorien ausmachten, sagte Terjung.

So führt […] nur 10% Anteil an hochverarbeiteten Nahrungsmitteln zu einer Risikoerhöhung für Krebserkrankungen (Darm, Bauchspeicheldrüse) um etwa 12%. Also wirklich relevant!

Seien es Käse, Soßen, „zuckerfreie“ Getränke oder auch bestimmte vegane Ersatzprodukte: Hochverarbeitete Lebensmittel zu erkennen, sei gar nicht so leicht. Denn es gibt Terjung zufolge bisher kein offizielles Labeling.

Zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Regulierung

Terjung appellierte an die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen. Doch das allein reiche nicht – es sei eine „ubiquitäre Veranwortung“. Auch Ärzte und Politik seien gefragt. Projekte zur gesunden Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Seniorenheimen oder Krankenhäusern müssten unbedingt fortgesetzt und ausgeweitet werden. Die Ampel-Koalition hätte es bereits gut formuliert:

Gutes Essen [sollte] in Deutschland für jedermann und überall verfügbar gemacht werden.

Zudem sei es unabdingbar, verpackte Lebensmittel verbraucherfreundlich zu kennzeichnen und die ernährungsmedizinische Expertise bei Ärzten auszuweiten. Und letztendlich gelte es, trotz aller Widerstände aus Lebensmittelhersteller-Verbänden und -Unternehmen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Werbung mit Lebensmitteln mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt sicherzustellen.

Quelle

Prof. Dr. med. Birgit Terjung, Bonn, „Darmgesundheit beginnt auf dem Teller: präventive Ernährung zwischen Eigenverantwortung, ärztlicher Unterstützung und staatlicher Regulierung“. Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. „Gesunder Bauch – gesundes Leben: Gastroenterologische Prävention im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt, individueller Verantwortung und Gesundheitspolitik“, am 4. Juni 2025, online.

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